Sonneberg Thüringer Landkreis kämpft für Beitritt zu Bayern

Die Stadt Sonneberg in Thüringen will Kreisstadt bleiben. Wenn nicht, können sich viele Sonneberger einen Übertritt nach Bayern vorstellen.

(Foto: Claus Schunk)
  • Die Stadt Sonneberg im Süden von Thüringen prüft, ob ein Übertritt nach Bayern möglich wäre.
  • Ein Verein sammelt nun Unterschriften und beruft sich auf die fränkischen Wurzeln der Region.
Von Olaf Przybilla, Sonneberg

Eigentlich wollte Martin Truckenbrodt das alles eine Nummer kleiner haben. Truckenbrodt wohnt in einer südthüringischen Gemeinde namens Frankenblick, er stammt ursprünglich aus Franken und findet, dass die fränkischen Wurzeln in Thüringen viel zu wenig gewürdigt werden. Als Vorsitzender des Vereins Henneberg-Itzgrund-Franken, das ist sozusagen die organisierte Franken-Lobby in Thüringen, hat er sich 2015 an die Regierung in Erfurt gewandt.

Unter anderem mit der Bitte, diese möge doch wenigstens die Lehrpläne ändern, auf dass die fränkische Geschichte in Thüringen angemessen gewürdigt werde. Vertröstet, belächelt und ignoriert fühlt sich der Verein, auch der Brandbrief änderte daran wenig. Und so haben die Frankenfreunde nun, nach einjähriger Frist, etwas eingeleitet, womit sie lange nur gedroht hatten. Seit Mittwoch, 9 Uhr, werden in Südthüringen Unterschriften gesammelt: für einen Übertritt nach Bayern.

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Allerdings nicht überall dort, wo der Verein eine untrügliche "fränkische Identität" wahrzunehmen glaubt, in der gesamten Region südlich des Rennsteigs. Sondern lediglich in einem Gebiet, das Truckenbrodt den "Altlandkreis Sonneberg" nennt. Das mag verblüffen, schließlich preist der Verein auf seiner Internetseite die Landkreise Sonneberg, Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen sowie die Stadt Suhl als eindeutig fränkisch geprägt an.

Nun aber sollen lediglich in einer einzigen Region, einem "Altlandkreis" zumal, Unterschriften gesammelt werden? Man habe das alles genau geprüft, sagt Truckenbrodt, dieses Verfahren habe "rein verfassungsmäßig" die größten Chancen auf Erfolg. Findet er.

Das Grundgesetz sieht tatsächlich mehrere Varianten für einen Übertritt einer Region in ein anderes Bundesland vor, die Hürden sind aber in jeder der Varianten hoch. So können Regierungen benachbarter Länder per Staatsvertrag regeln, ob sie ihre Grenzen verschieben wollen. Zustimmen müssten dafür zunächst einmal die Landtage, und das ist schon das Problem: Warum sollten Thüringer Abgeordnete freiwillig die Fläche ihres Landes dezimieren? Sehr unwahrscheinlich.

Viele hatten deshalb bislang damit gerechnet, dass der Verein eine Prozedur nach Artikel 29 Absatz 4 des Grundgesetzes anstrebt. Demnach wäre ein Übertritt auch per Volksbegehren möglich, und zwar dann, wenn sich in einem ersten Schritt zehn Prozent der Wahlberechtigten in einem "abgegrenzten Siedlungs- und Wirtschaftsraum" dafür aussprechen. Hört sich machbar an, das Problem ist die Einschränkung, dass diese Region laut Grundgesetz "mindestens eine Million Einwohner" haben muss.