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Sekte "Zwölf Stämme":Ermittlungen gegen TV-Reporter eingestellt

Klosterzimmern

Trügerische Idylle? Die Glaubensgemeinschaft der "Zwölf Stämme" lebt in Klosterzimmern bei Deiningen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Er filmte heimlich, wie Kinder in der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" geschlagen wurden. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt daraufhin gegen den Reporter. Doch die Anzeige kam nicht von einem Betroffenen.

Die heimlichen Filmaufnahmen von Prügelszenen bei der Sekte "Zwölf Stämme" haben für einen RTL-Reporter keine strafrechtlichen Konsequenzen. Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen den Journalisten jetzt eingestellt, weil die Strafanzeige nicht von einem Betroffenen kam, sondern nur von einem Außenstehenden.

Der Fernsehreporter hatte auf dem Gut der "Zwölf Stämme" im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen im Landkreis Donau-Ries mit versteckter Kamera gefilmt, wie Kinder geschlagen wurden. Der Bericht hatte großes Aufsehen ausgelöst: Die Behörden holten im vergangenen Jahr etwa 40 Kinder aus den beiden bayerischen Gemeinschaften der Sekte und entzogen den Eltern vorläufig das Sorgerecht. Mittlerweile durften einige Kinder in die Gemeinschaften zurückkehren.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Journalisten ermittelt, nachdem im September 2013 eine Anzeige einging. Der Verdacht lautete auf Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, wie Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai erklärte. Eine Strafverfolgung sei jedoch nur möglich, wenn es einen wirksamen Strafantrag eines Verletzten gebe. "Da dies, wie sich herausgestellt hat, nicht der Fall ist, war das Verfahren einzustellen." Ein Sprecher von RTL sagte dazu: "Das ist das Ergebnis, das wir erwartet haben."

© Süddeutsche.de/dpa/amm/afis

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