Seehofer-Nachfolge:Liste der potenziellen Thronfolger

Horst Seehofer bringt immer mehr Namen ins Spiel, wenn es um seine Nachfolge geht. Eine Übersicht.

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Ilse Aigner

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Dirndlträgerin Ilse Aigner

Status: Wirtschaftsministerin und Stellvertreterin von Ministerpräsident Horst Seehofer. Die 50-Jährige sitzt zudem der Oberbayern-CSU vor, dem größten Bezirksverband, aus dem bislang auch die meisten Ministerpräsidenten gekommen sind. Klitzekleines Problem womöglich: Anders als Strauß, Streibl, Stoiber und Seehofer fängt ihr Nachname nicht mit S an...

Aura: Spielt mit dem Image der Dirndlträgerin. Gilt aber auch als faire und erfolgreiche Verhandlerin, siehe Stromtrassenstreit.

Verankerung: Bestens vernetzt in der Partei. Sie ist halt "die Ilse". Menschlich sehr geschätzt. Allerdings betonen die Parteifreunde das "menschlich" meist so stark, dass sich sofort die Frage aufdrängt: und als Politikerin? Da wird es dann oft ein wenig still. Könnte mit ihrer integrierenden Art auch gut Landesgruppenchefin in Berlin werden

Aussichten: ●●●●●●●●○○

German Transport Minister Dobrindt awaits the beginning of the weekly cabinet meeting at the Chancellery in Berlin

Quelle: REUTERS

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Karo-Anzugträger Alexander Dobrindt

Status: Bundesverkehrsminister. Manche sagen auch: Bundesmautminister - wobei die Maut in der CSU an Zugkraft verloren hat, um nicht zu sagen: totgeschwiegen wird. Schließlich besteht die Gefahr, dass dieses Lieblingsprojekt der Partei demnächst auf EU-Ebene wieder kassiert wird. Dabei hatte Seehofer doch gesagt: "Ein Alexander Dobrindt scheitert nicht."

Aura: Den polternden Generalsekretär hat der 45-Jährige abgelegt. Genau wie einige Kilo an Gewicht. Nach einem kurz holprigen Start hat er sich als Minister den Ruf erarbeitet, kompetent und sehr überlegt zu sein - wäre da nur nicht die Maut.

Verankerung: In Bayern überhaupt nicht. Dobrindt ist kein Kumpeltyp. Worüber die Partei jedoch am meisten lästert: seine Anzüge, von denen der ein oder andere an Tapetenmuster aus den 70er Jahren erinnert.

Aussichten: ●●○○○○○○○○

Kriminalstatistik Bayern 2014

Quelle: picture alliance / dpa

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Würdenträger Joachim Herrmann

Status: CSU-Chef von Mittelfranken, Innenminister und zweiter Stellvertreter des Ministerpräsidenten - also Stellvertreter der Stellvertreterin. Mit 58 Jahren der Grandseigneur der Nachfolge-Aspiranten.

Aura: Präsidial-gediegen statt ministerpräsidial-rührig. Früherer Spitzname: Balu, wie der Bär im Dschungelbuch. Nicht nur sicherheitspolitisch ein Relikt aus der Stoiber-Ära, auch sprachlich: Schafft es aberäh, die "Ähs" nun nahtlos ans vorherige Wortäh anzufügen.

Verankerung: Wollte schon 2008 Ministerpräsident werden, zog dann wieder zurück. In der Partei für seine konsequent-konservative Art geschätzt, beim Wähler weniger. Verlor 1990 die Wahl zum Erlanger Oberbürgermeister, bei der vergangenen Landtagswahl überflügelte ihn Markus Söder. Es gibt bestimmt Schöneres.

Aussichten: ●●●●●●●○○○

Bayerische Kabinettssitzung

Quelle: Sven Hoppe/dpa

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Gummistiefelträger Marcel Huber

Status: Zwar nur stellvertretender CSU-Bezirksvorsitzender von Oberbayern, holte aber ein besseres Ergebnis als Ilse Aigner. Sieht jünger aus, als er mit seinen 57 Jahren tatsächlich ist. Staatskanzleichef.

Aura: Nicht Laptop und Lederhose, sondern Gummistiefel und Garten-, pardon: Feuerwehrschlauch. Als langjähriger Kommandant der Ampfinger Feuerwehr für jede Krise gewappnet. Lief als Umweltminister zur Hochform auf, als in Ostbayern Landunter herrschte. Jetzt Seehofers Troubleshooter in der Regierungszentrale. Ein Mann für alle Fälle.

Verankerung: Bei Menschen, die ihn kennen, sehr beliebt. Leider sind das nicht allzu viele. Einer, der anpackt und nicht lange quatscht - aber dann gerne auch im Dialekt. Stets loyal gegenüber Parteifreunden. Chef wird man in der CSU so nicht.

Aussichten: ●●●●●●●○○○

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Quelle: Photographie Peter Hinz-Rosin

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Kostümträgerin Angelika Niebler

Status: Abgeordnete im EU-Parlament, Landesvorsitzende der Frauen-Union und demnächst eine der vier stellvertretenden CSU-Vorsitzenden. Hat massiv und erfolgreich für eine Frauenquote in der CSU gekämpft.

Aura: Genaugenommen das Gegenbild zu Aigner, auf die sie aber große Stücke hält. Statt im Dirndl ist Niebler meist in einem eleganten Kostüm anzutreffen. Aigner hat eine technische Ausbildung absolviert, Niebler hat Jura studiert, promoviert und anschließend in einer Großkanzlei gearbeitet, bevor sie in die Politik wechselte. Seehofer hält extrem viel von ihr und weiß: Während Aigner eher die Landbevölkerung anspricht, ist Niebler perfekt fürs Münchnerische Großstadt-Publikum

Verankerung: So gut, wie man das eben sein kann, wenn man überwiegend in Brüssel und Straßburg arbeitet.

Aussichten: ●○○○○○○○○○

Manfred Weber CSU

Quelle: dpa

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Bedenkenträger Manfred Weber

Status: Noch-CSU-Vorsitzender in Niederbayern, auf Seehofers Wunsch bald Parteivize. In Brüssel Sprecher der EVP-Gruppe, der größten Fraktion im Europaparlament. Trotz seiner 43 Jahre international also bereits krisengestählt. Könnte damit vielleicht auch in der Münchner Schlangengrube zurechtkommen.

Aura: Ging nach Brüssel, als das Wort in der CSU noch auf dem Index stand. Schafft es tatsächlich, beim politischen Aschermittwoch eine halbe Stunde über Europa zu reden, ohne dass die Zuhörer schlafend in den Maßkrug fallen. Dazu gehört Mut.

Verankerung: Eine von JU-Zeiten an durchgestylte Karriere. In der SPD würde man sagen: Apparatschik, in der CSU: Netzwerker. Sieht seine Zukunft wohl weiter in Brüssel, ist aber stark genug, Parteifreunden in Bayern das Leben schwer zu machen. Siehe den Sturz von Günther Beckstein.

Aussichten: ●●●●●●●○○○

© SZ /axi
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