Schweinfurt:Grafenrheinfeld wieder ans Netz

Betreiber schließt nicht aus, den Atommeiler wieder hochzufahren

Der AKW-Betreiber PreussenElektra, vormals Eon, hat ein erneutes Hochfahren des Atommeilers Grafenrheinfeld nicht ausgeschlossen. Das Unternehmen werde den Ausgang der Verfassungsbeschwerde der Energiekonzerne wegen der zwangsweisen Stilllegung ihrer Atomkraftwerke abwarten und erst dann entscheiden, sagte Delegationsleiter Christian Müller-Dehn am Dienstag in Grafenrheinfeld (Landkreis Schweinfurt).

Zuvor hatte der Schweinfurter Landrat Florian Töpper (SPD) beim Erörterungstermin des Umweltministeriums zum Rückbau des Atommeilers eine klare Antwort auf die Frage gefordert, ob es für PreussenElektra eine realistische Perspektive sei, das Atomkraftwerk wieder anzufahren, falls die Energiekonzerne vor dem Bundesverfassungsgericht gewinnen sollten. Töpper hatte noch einmal die Forderungen des Landkreises bekräftigt. Der Rückbau solle allein von Sicherheitsinteressen geleitet sein, nicht von unternehmerischen Motiven. Das Landratsamt will verhindern, dass für 3500 Tonnen beim Abriss anfallende schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Unterfranken ein eigenes Zwischenlager gebaut wird. Dafür gebe es ein Zwischenlager mit ausreichend Platz im oberpfälzischen Mitterteich. Der Landkreis kritisiert zudem den geplanten Abriss des Reaktorgebäudes, da dieses Gebäude für die Reparatur von defekten Castorbehältern aus dem benachbarten Zwischenlager für die verbrauchten Brennstäbe nötig sei. Dieses Lager ist zunächst bis 2046 genehmigt, hätte demnach aber von 2027 an keine geeignete Reparaturstätte mehr. Auch der Bund Naturschutz lehnt die Pläne des Betreibers ab. "Grüne Wiese hieße in meinen Augen, dass der Landkreis radiologisch frei ist. Und das werden wir alle hier nicht mehr erleben", sagte Edo Günther, der Sprecher des Arbeitskreises Atomenergie und Strahlenschutz. Die "grüne Wiese" hatte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) in Aussicht gestellt. Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld war im Juni 2015 nach 33 Dienstjahren abgeschaltet worden, es war damals Deutschlands ältester noch aktiver Reaktor. Am vergangenen Mittwoch - mehr als fünf Jahre nach dem Beschluss zum Atomausstieg - brachte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf auf den Weg für die Entsorgung der atomaren Altlasten. Geplant ist, dass der Staat die Atommüll-Endlagerung übernimmt. Dafür müssen die Stromkonzerne mehr als 23 Milliarden Euro an einen Staatsfonds überweisen. Für Stilllegung und Abriss bleiben die Unternehmen verantwortlich.

© SZ vom 26.10.2016 / dpa
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