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Schäden durch Verbiss:Mehr Bäume, weniger Wild

Oberbayerische Jäger und Waldbesitzer verfassen gemeinsame Erklärung

Von Christian Sebald, Dachau

In den Wäldern von Weichs (Landkreis Dachau) sind bis vor wenigen Jahren praktisch nur Fichten gewachsen. "Aber jetzt haben wir auch junge Tannen, Buchen, Eichen und Ahornbäume, alles was wir für einen stabilen Mischwald brauchen", sagt Georg Rottmeir. "Das Beste ist, dass die Laubbäume gleichsam von selbst wachsen." Rottmeir ist Landwirt, Jäger und Vorsitzender der örtlichen Jagdgenossenschaft. Darin sind alle Weichser Grundbesitzer zusammengeschlossen, auf deren Flächen gejagt werden darf.

Es gibt einen Grund, warum in Weichs seit Kurzem auch Laubbäume und Tannen wie von alleine gedeihen: Die Jagdgenossenschaft achtet streng darauf, dass Bäume, die sich ansamen, nicht mehr zusammengefressen werden. Junge Tannen, Buchen, Eichen und Ahorn sind Leckerbissen für die Rehe. Also lässt die Jagdgenossenschaft so viel Wild schießen, dass in ihren Wäldern auch die jungen Tannen und Laubbäume wachsen können, die sonst keine Chance gegen die vielen Rehe dort hätten.

Verhältnisse wie in Weichs wünschen sich die meisten Waldbesitzer in Bayern. Die 22 Waldbesitzervereinigungen, Forstbetriebsgemeinschaften und 906 Jagdgenossenschaften in Oberbayern haben deshalb jetzt die Erklärung "Unsere Wälder brauchen eine waldorientierte Jagd" unterzeichnet. Darin fordern sie eine straffe Jagd nach dem Grundsatz "Wald vor Wild". Er ist sowohl im Jagdgesetz als auch im Waldgesetz verankert - wird aber sehr oft zu wenig beachtet.

Deshalb verlangen die Unterzeichner auch strenge Kontrollen, ob die Jäger die gesetzliche Vorgabe wirklich umsetzen. "Alle Welt sagt, dass wir wegen der Klimakrise artenreiche Mischwälder aufforsten müssen", erklärt Josef Lang von der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberbayern. "Dabei sind unsere Wälder so vital, dass die Mischwälder von selbst entstehen können. Die einzige Bedingung dafür ist konsequentes Jagen." Die Situation in den Wäldern in Bayern ist aus Sicht der Waldbesitzer und Jagdgenossenschaften denkbar schlecht. In fast der Hälfte der Hegegemeinschaften - den großen Einheiten also, zu denen die Jagdreviere einer Region zusammengeschlossen sind - ist der sogenannte Wildverbiss an den jungen Bäumen zu hoch oder deutlich zu hoch, und das oft schon seit vielen Jahren. "Das muss sich schnell ändern", sagt Lang, "sonst bekommen wir nie die artenreichen Mischwälder, die wir in Zeiten der Klimakrise brauchen."

© SZ vom 25.09.2019

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