Ruhpolding:Welt der Säge

Das Holzknechtmuseum erinnert an einen harten Beruf

Man verrühre Mehl, Salz und Wasser und brate es mit einer saftigen Portion Butterschmalz in der Pfanne an. Fertig ist das "Muas", die tägliche Mahlzeit der Holzknechte. Satt machen musste es, und vor allem lange vorhalten. Nur so konnten die Männer ihre stundenlange Schwerstarbeit bewältigen. Die Pfanne dazu steht noch genauso da auf dem Kaminofen in der Holzknechthütte, als wäre sie gestern erst benutzt worden.

Auf dem Freigelände des Holzknechtmuseums schlängelt sich ein Erlebnispfad durch die originalen Hütten. Die meisten standen ursprünglich in den Bergwäldern der Umgebung und dienten den Holzknechten als Wohn- und Schlafraum. Mit dem Versetzen der Hütten in den 1980er Jahren entstand auch das Holzknechtmuseum, das nur wenige Kilometer südlich von Ruhpolding an der Alpenstraße nahe des forstlichen Bildungszentrums Laubau steht. Heute bieten vier Ausstellungsebenen im kurfürstlich-königlichen Verwaltungsgebäude Einblicke in die historische Bedeutung der Holzknechte im Chiemgau.

Zu Beginn waren es bäuerliche Knechte, die die Waldarbeit verrichteten. Erst mit Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten die Holzknechte ausschließlich im Wald. Ihre Hauptaufgabe: Bäume fällen und bergab transportieren. Der Berufsstand der Holzknechte war trotz harter Knochenarbeit in der Bevölkerung hoch geschätzt, weil er seit dem Mittelalter einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag leistete. Die Holzknechte versorgten die Salinen, in denen Speisesalz gewonnen wurde, mit Brennholz. Die Sole, die in der Umgebung von Reichenhall und Berchtesgaden reichlich aus den Quellen sprudelte, war das Rohprodukt für die Salzgewinnung und damit den Wohlstand der Region. Mithilfe von Holzleitungen und wasserradbetriebenen Pumpen wurde die Sole über 250 Meter Höhenunterschied von Reichenhall in die Saline nach Traunstein geleitet.

Auf dem Freigelände des Museums können Besucher selbst beim historischen Holzrohrbohrer mit anpacken und die angeblich erste Pipeline der Welt bestaunen. In der Saline angekommen, erhitzten die Arbeiter dann die Sole in Sudpfannen. Nachdem das Wasser verdampft war, konnten sie das gehärtete Salz abkratzen. Um das Luxusgut für Bürgertum und Höfe herzustellen, mussten Knechte große Mengen Holz einschlagen. War ein Hang kahl, gingen sie einfach zum nächsten. Teilweise lebensgroße Szenen und historisches Gerät versetzen Besucher in die harte Arbeitswelt der Holzknechte und zeigen die technische Entwicklung bis heute.

Öffnungszeiten: Mai-Oktober, Dienstag-Sonntag: 10-17 Uhr. Juli-Anfang September auch montags: 10-17 Uhr.

© SZ vom 21.07.2017 / TKR
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