Porträt: Horst Seehofer Ein Wall aus Witz, eine Mauer des Lächelns

Der Lehrbub beginnt als Amtsbote. "Er war hochqualifiziert und superehrgeizig", sagt der ehemalige Eichstätter Landrat Konrad Regler, der ihn schnell zum Verwaltungsamtmann beförderte. Als 1971 der Vater an Krebs stirbt, ist Horst Seehofer 22. "Er hat geheult wie ein Schlosshund", sagt seine Schwester.

Horst Seehofer und seine Frau Karin.

(Foto: Foto: dpa)

Seehofer arbeitet sich weiter nach oben. 1979 schließt er an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt ab - als Jahrgangsbester. Und allmählich interessiert sich Seehofer auch für Politik.

Doch der Jungen Union tritt er 1969 eher zufällig bei. "Wir hatten einen Kegelabend im Kolpinghaus", sagt Hermann Regensburger, der damalige Ausbilder Seehofers und spätere Innenstaatssekretär. "Zu vorgerückter Stunde habe ich ihn überredet, auf einem Bierfilz seinen Eintritt zu unterschreiben", so Regensburger. Dabei sei es nur ums "Kegeln, Schafkopfen und gemeinsam Urlaub machen" gegangen. Die jungen Burschen hätten es halt krachen lassen. "Wenn was los war, war der Horsti dabei", so Regensburger. "Er war ein Umtreiber, die Politik war Nebensache."

Das hat sich grundlegend geändert. Heute gilt Seehofer als Polit-Junkie, der selbst dann nicht von Telefon und Computer lassen kann, wenn sein Körper streikt. Im Jahr 2002 liegt er wegen einer Herzmuskelentzündung 21 Tage lang auf der Intensivstation. Er überlebt mit Glück, erholt sich nur langsam und schwört, künftig kürzerzutreten. Er tut es nicht. Längst hat ihn die Politik so sehr infiziert, dass er nicht mehr von ihr lassen kann.

Und er wollte immer ganz nach oben. Sein früher Förderer Regensburger wollte den jungen Mann zum zukünftigen Oberbürgermeister Ingolstadts aufbauen. Doch der wollte mehr, 1980 zog er als erst 30 Jahre alter Abgeordneter in den Bundestag ein. Und kümmerte sich vor allem um die Sozialpolitik, ein Thema, das er auch persönlich mit Leben erfüllen konnte.

In der Politik becirct der junge, freundliche Abgeordnete die Menschen mit seinem Charme. Auch seine Wahlkreisbüromitarbeiterin Waltraud Meier, die ihm seit 1980 in Ingolstadt den Rücken frei hält, schwärmt: "Er ist charmant, zuverlässig und nie grantig." Fast wie in der Operette: immer nur lächeln, immer vergnügt.

Doch privat scheint Seehofers Lächeln nicht immer zu funktionieren. Die erste Ehe mit seiner Jugendliebe Christel scheitert. Die Scheidung taucht in keinem Lebenslauf auf. Seine jetzige Frau Karin lernte er im Landratsamt Eichstätt kennen. Er war Beamter, sie Verwaltungsangestellte. Weihnachten 1985 heirateten die beiden im Altmühltal. Wie seine Mutter musste auch Seehofers Frau die Familie weitgehend alleine managen. "Das war ein Alleinerziehungsauftrag", sagt sein Bruder Dieter.

Horst Seehofer selbst bekannte schon 1994 in einem Fragebogen unter der Rubrik "Ihr größter Fehler?": "Zu wenig Zeit für die Familie." Und auf die Frage, was er an seiner Frau schätze, sagte er: "Dass sie eine wunderbare Mutter und verständnisvolle Frau ist. Ich war ja fast nie da."

Ein zweites Leben

Horst und Karin Seehofer haben drei Kinder im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, sie wohnen im Ingolstädter Vorort Gerolfing, in einem Einfamilienhaus. Doch Seehofer hat jahrelang noch ein zweites Leben.

Im Sommer 2007 bringt Seehofers Berliner Lebensgefährtin Anette Fröhlich die gemeinsame Tochter Anna-Felicia zur Welt. Er bekennt sich zu dem Kind, erklärt das Verhältnis zu der Mutter aber nach monatelangem Überlegen für beendet: "Die Familie Seehofer bleibt zusammen." Doch die Entscheidung kommt zumindest für seinen ersten Anlauf zum Vorsitz der CSU zu spät: Auf dem Parteitag 2007 erringt er - auch wegen seiner privaten Unentschlossenheit - nur einen Achtungserfolg.

"Die Krise scheint überwunden", sagt Bruder Dieter. Auf Außenstehende wirkt das Ehepaar Seehofer als kühle Zweckgemeinschaft. Eine Zweckgemeinschaft, die nun im Dienste Bayerns auftreten muss, er als Ministerpräsident, sie als First Lady.

Karin Seehofer habe ihren eigenen Freundeskreis, heißt es, mit dem habe er kaum etwas zu tun. Sie spielt regelmäßig Tennis, er greift ebenfalls gerne zum Schläger. Aber miteinander spielen sie nie. Aber natürlich lächeln sie.