Polizeieinsatz vor Gericht "Mit vollster Brutalität"

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wiederum hat Bauers mangelnde Bereitschaft, den Weisungen der Beamten zu folgen, "zum Einsatz von Zwangsmitteln" geführt. Es gibt allerdings mehrere Zeuginnen, die Bauers Version bestätigen. Eine von ihnen ist Annette R. aus Fürstenzell. Von der gegenüberliegenden Straßenseite hatte sie in der fraglichen Nacht miterlebt, wie ein dunkel gekleideter Mann einem Radler hinterherrannte und nach ihm griff. "Der hat ihn abrupt gepackt und ohne Vorwarnung vom Rad zu Boden gerissen - mit vollster Brutalität", sagt sie.

Erst kurz darauf habe sie bemerkt, dass es sich bei dem Verfolger um einen Polizisten handelte, der von einem Kollegen unterstützt wurde. Für das harte Einschreiten, so ihre Einschätzung, habe es keinen Anlass gegeben: "Der Radler hat mehrmals geschrien: ,Ich wehre mich nicht, ich wehre mich nicht!'" Schließlich habe man ihn "wie ein Schlachtvieh oder so eine Mülltüte ins Auto" geworfen.

Trotz dieser Aussagen hatte die Staatsanwaltschaft Passau das Ermittlungsverfahren gegen die Polizeibeamten im April dieses Jahres eingestellt. Straftaten seien ihnen "nicht mit der für eine Anklageerhebung zu fordernden Sicherheit nachzuweisen". Weiter hieß es: "Soweit seitens der Zeuginnen ausgeführt wird, sie seien über die Brutalität des Polizeieinsatzes entsetzt gewesen, mag dies auf die Unkenntnis des Gesamtgeschehens zurückzuführen sein."

Der Prozess wurde am Nachmittag unterbrochen, der Staatsanwalt will auf Einstellung des Verfahrens plädieren.