Pfarrer von Bad Windsheim:"Da war ein ziemlicher Verhau"

Pfarrer entdeckt verschollenes Barockgemälde

Pfarrer Michael Wildenauer hat das großformatige Gemälde "Jesus fällt unter dem Kreuz" hinter Panzerglas direkt unter der Empore aufhängen lassen.

(Foto: Claudia Lehner/dpa)

Michael Wildenauer entdeckte in einer Abstellkammer ein wertvolles Gemälde. Nun wurde es restauriert und hängt in der Kirche

Interview von Claudia Henzler, Bad Windsheim

Wegen Arbeiten an der Elektrik war Michael Wildenauer mit einem Handwerker in eine Abstellkammer auf der Kirchenempore gestiegen. Dabei hat der katholische Pfarrer von Bad Windsheim im vermeintlichen Sperrmüll ein wertvolles Bild entdeckt, das Gemälde "Jesus fällt unter dem Kreuz" des Barockmalers Luca Giordano (1634 bis 1705). Der Italiener war Hofmaler des spanischen Königs Carls II. Für Ölgemälde Giordanos erzielt das Auktionshaus Sotheby's regelmäßig fünfstellige Beträge. Der Bad Windsheimer Zufallsfund aber hängt nun frisch restauriert in der Pfarrkirche St. Bonifaz.

SZ: Sie sind seit 2009 Pfarrer in Bad Windsheim, haben das Bild aber erst im Sommer 2016 gefunden. Wie kommt's?

Michael Wildenauer: In die Abstellkammer schauen wir ein-, zweimal im Jahr rein, wenn wir irgendwas holen, für Weihnachten zum Beispiel. Da war ein ziemlicher Verhau, Bretter, Möbelteile, alte Fronleichnamsprozessionshimmel. Ich habe den Rahmen zwar schon vorher da stehen sehen, aber ich hätte nie vermutet, dass in unserer relativ neuen Kirche - sie wurde 1938 gebaut - solche Kunst liegt. Als ich den Rahmen zur Orgel rausgezogen habe, war klar, dass das etwas Besonderes ist.

Woran haben Sie das erkannt?

Der Offizier auf dem Pferd zum Beispiel, der hat ganz feine Hände. Schon daran kann man die Qualität sehen. Der Name Luca Giordano stand auf dem Rahmen, war mir aber nicht geläufig. Den habe ich dann gegoogelt.

Warum verging zwischen Fund und Präsentation mehr als ein Jahr?

Das Bild war stark verschmutzt, sogar mit Mörtelspritzern. Eine Restaurierung ist aber mit erheblichen Kosten verbunden, ich musste also erstmal die Kirchenstiftung informieren, dann das Erzbistum Bamberg. Das hat mir einige Restauratoren empfohlen, die habe ich dann zu einer Art Wettbewerb eingeladen.

Wie kam das Gemälde in die Kirche?

Ich habe alte Bad Windsheimer gefragt, die haben das Bild noch nie gesehen. Also ist zu vermuten, dass es nie in der Kirche hing, sondern seit 1938 eingelagert war. Vorher hatten die Katholiken nur einen Gebetsraum. Wir wissen, dass es von Heinrich Reuter gestiftet wurde. Er war von 1880 bis 1881 Seelsorger in Windsheim, später Professor in Straubing. Warum er die Stiftung gemacht hat, wissen wir nicht.

Man hört, das Diözesanmuseum hätte das Bild gerne gehabt?

Nein, das war scherzhaft gemeint. Natürlich behalten wir das Gemälde, es ist Eigentum der Kirchenstiftung. Für uns ist es in erster Linie ein spirituelles Werk, ich will es religiös nutzen und auch in den Gottesdienst einbauen. Aber es ist natürlich ehrfurchtgebietend, wo Giordanos Werke noch hängen: Paris, Madrid, Wien. Und jetzt eben auch in Bad Windsheim.

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