Kirche:Bistum Passau gibt Studie zu sexuellem Missbrauch in Auftrag

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Kirche: Der Dom (links) und das Rathaus von Passau sind hinter dem dunklen Bogen eines Tunnels zu sehen.

Der Dom (links) und das Rathaus von Passau sind hinter dem dunklen Bogen eines Tunnels zu sehen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Drei Jahre lang sollen Personalakten und andere Aktenbestände gesichtet werden, um das Missbrauchsgeschehen von 1945 an zu beleuchten. Der Passauer Bischof Oster erhofft sich davon auch Hinweise für die Präventionsarbeit.

Das Bistum Passau wird Fälle von sexuellem Missbrauch in einer Studie aufarbeiten lassen. Beauftragt wurde damit der Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Uni Passau im Rahmen eines Drittmittelprojekts, wie die Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen im Bistum am Freitag mitteilte. Die Kosten seien auf 610 000 Euro veranschlagt. Im Zuge der auf drei Jahre angelegten Studie sollen rund 3500 Personalakten und andere Aktenbestände des Bistums gesichtet werden, um das Missbrauchsgeschehen von 1945 an zu beleuchten.

Das Thema sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erschüttert die katholische Kirche schon seit Jahren. Anfang des Jahres hatte ein Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München-Freising für Aufsehen gesorgt. Eine Anwaltskanzlei war zum Ergebnis gekommen, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden.

Das Passauer Forschungsprojekt wolle zunächst die Zahl der Missbrauchsfälle erheben, sagte Studienleiter Marc von Knörring. "Schwerpunktmäßig zielt es dann auf die Herausarbeitung von Nährböden und Ermöglichungsfaktoren für den Missbrauch von minderjährigen Schutzbefohlenen durch Geistliche ab, wobei neben den innerkirchlichen Strukturen besonders das soziale Umfeld der Betroffenen und seine Rolle beim Vertuschen oder Verschweigen der Taten beleuchtet werden soll."

Von der Studie seien auch wichtige Hinweise "für die Ausrichtung zukünftiger Präventionsarbeit zu erwarten", sagte er weiter. Der Passauer Bischof Stefan Oster betonte, die Gremien der Diözese und er selbst stünden einhellig hinter dem Projekt. "Die Erkenntnisse werden sicher schmerzhaft sein - weil wir sehen werden, welches Leid den Betroffenen zugefügt wurde - und wer die Taten gedeckt und somit direkt oder indirekt mit ermöglicht hat. Aber ich hoffe, es wird für die ganze Kirche von Passau am Ende reinigend sein."

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