Panne bei BR-Spendengala Seehofer - verloren im Zahlensalat

BayernLB-Desaster, Landeshaushalt, Zukunftsprogramm: Horst Seehofer jongliert ständig mit Zahlen. Doch dann soll der CSU-Chef bei einer BR-Gala eine Zahl vorlesen - und ihm stellt sich die schwierige Frage: Wie war das noch mit Millionen und Milliarden?

Von T. Dorfer und B. Kruse

Horst Seehofer hat es derzeit wirklich nicht einfach: In den eigenen Reihen muss er sich über Maulwürfe ärgern, die bei US-Botschaftern über den CSU-Chef tratschen. Dann ist ausgerechnet der stolze Ingolstädter, dem auch in der Partei der Ruf des Einzelkämpfers vorauseilt, der erste bayerische Ministerpräsident seit Jahrzehnten, der sich die Macht im Freistaat mit einem Koalitionspartner teilen muss.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Geld: Einen ausgeglichenen Haushalt, den haben seine Vorgänger den Wählern versprochen. Ein milliardenschweres Zukunftsprogramm mit dem schicken Namen "Aufbruch Bayern" - das hat Seehofer angekündigt. Ach ja - und nicht zu vergessen: das Milliardenminus aus dem BayernLB Desaster.

Zukunftspakt, Haushalt, Landesbank. Da wird mit Milliardensummen jongliert, die die Vorstellungskraft eines Normalsterblichen mitunter weit übersteigen. Und schnell stellt sich die Frage: Wie war das noch gleich mit der Million und der Milliarde?

Gerade die Nullen einer Milliarde müsste Seehofer doch gut kennen - spätestens seitdem die enormen Verluste aus dem BayernLB-Debakel in einen Sonderhaushalt ausgebucht worden sind. Doch offenbar fällt es dem gelernten Verwaltungs-Betriebswirt schwer, sich in die Niederungen der Millionenbeträge zu bemühen. Wie schwer ihm das fällt, konnten die Zuschauer der Sternstunden-Benefizgala des Bayerischen Rundfunks am vergangenen Freitag sehen.

Was war passiert? Da saß der Ministerpräsident gutgelaunt und milde lächelnd nebst Gattin Karin vor einem opulent geschmückten Weihnachtsbaum. Die Aufgabe, die ihm Moderatorin Sabine Sauer stellte, war eigentlich lösbar. Seehofer sollte den aktuellen Spendenstand vortragen. 3.014.237, in Worten: Dreimillionenvierzehntausendzweihundertsiebenunddreißig, Euro waren bis zu diesem Zeitpunkt gesammelt - die Ziffern standen gut leserlich auf einem Zettel. "Drei Millionen...vierzehn...", fängt Moderatorin Sauer an, dann stockt sie: "Ich kann solche Zahlen gar nicht lesen. Das ist mir zu viel."

Wie gut, dass kompetente Hilfe am Tisch sitzt. Wer, wenn nicht der Ministerpräsident, kann bei einem solch gewichtigen Problem helfen? Seehofer versucht es mit einem Scherz: "Ich kann seit der Landesbank auch nicht mehr gut lesen." Die Kamera schwenkt auf eine sichtlich belustigte Sozialministerin Christine Haderthauer. "Sieben Stellen sind Millionen", versucht es Seehofer noch einmal: "Drei Punkt null eins vier Punkt zwei drei sieben - das könnten drei Millionen hundertvierzig..." Er gibt auf. Im Publikum wird gelacht, Landtagspräsidentin Barbara Stamm verzieht das Gesicht und schaut zu Boden.

Der Clip ist im Internet zu sehen, alleine auf der Video-Plattform Youtube haben sich bereits mehr als 130.000 Menschen den im Zahlensalat verhedderten Ministerpräsidenten angeschaut.

Aber Seehofer wäre nicht Seehofer, wenn er am Ende nicht doch eine gute Antwort parat hätte: "Gute drei Millionen." Richtig. Wenn das mit der Landesbank doch auch so einfach gewesen wäre.