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Neuer Sparkassenchef:Mehr Gehalt als Seehofer

Der neue Sparkassenpräsident wird pro Jahr 150.000 Euro weniger Gehalt bekommen als Vorgänger Naser. Doppelt so viel wie der Ministerpräsident verdient er trotzdem.

K. Ott, C. Sebald und M. Szymanski

Den ganzen Donnerstag über haben die Spitzenvertreter von Bayerns Kommunen darum gerungen, wer künftig Chef des Sparkassenverbandes werden soll: der Chamer Landrat Theo Zellner oder Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis (beide CSU). Ziel der intensiven Gespräche war es, sich vor der an diesem Freitag anstehenden Neuwahl auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen. Zellner galt als Favorit, Balleis sollte zum Rückzug bewogen werden. Bis Redaktionsschluss gab es noch kein Ergebnis.

Eine andere Entscheidung ist jedoch gefallen. Der Präsident der Sparkassenorganisation bekommt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung künftig 450.000 Euro Gehalt im Jahr. Das habe der Verbandsvorstand nach kontroverser Debatte beschlossen, verlautete aus Sparkassenkreisen. Der jetzige Präsident Siegfried Naser, der wegen der Landesbank-Affäre zurücktritt, kassiert noch fast 600.000 Euro. Die Absenkung auf 450.000 Euro geht verbandsinternen Kritikern aber nicht weit genug. Sie hatten im Vorstand deutliche Einschnitte gefordert, um ein Signal zu setzen. Zum Vergleich: Ministerpräsident Horst Seehofer erhält pro Jahr keine 200.000 Euro Amtsbezüge. Nahezu jedes Vorstandsmitglied der gut 70 Sparkassen im Freistaat verdiene mehr als der Regierungschef, heißt es aus Kreisen der kommunalen Kreditinstitute.

Bayerns Sparkassen-Manager müssen sich aber unter der nächsten Verbandsführung auf Abschläge einstellen. Eine kürzlich eingesetzte Arbeitsgruppe soll Vorschläge für die künftige Bezahlung erarbeiten. Die Zielsetzung ist nach Angaben aus Verbandskreisen eindeutig: Es sei nicht mehr hinnehmbar, dass Vorstände und Funktionäre erst hohe Gehälter wie in der Privatwirtschaft und danach hohe Pensionen wie beim Staat kassierten - und so die Vorteile von beiden Systemen genössen.

In Verbandskreisen wird diese üppige Versorgung als "Wahnsinn" bezeichnet. Beim künftigen Verbandschef wird das bereits korrigiert. Seine Pension beträgt nur einen Bruchteil dessen, was Naser noch zusteht. Der scheidende Präsident, der im Aufsichtsgremium des Landesbank eine führende Rolle gespielt hatte und politisch für die Milliardenverluste dort mitverantwortlich gemacht wird, geht quasi mit einem goldenen Handschlag. Fast drei Jahre lang wird Naser sein hohes Gehalt weiterhin ausbezahlt (sein Vertrag hätte noch fast sechs Jahre Gültigkeit gehabt), danach erhält er eine hohe Pension. Nasers Verabschiedung am heutigen Freitag soll dagegen eher bescheiden ausfallen. "Es ist nicht die Zeit für große Melodien", sagt ein hoher Verbandsfunktionär.

Dem künftigen Sparkassenchef stehen harte Debatten bevor. Nicht alle kommunalen Kreditinstitute werden Abstriche bei den Manager-Bezügen widerspruchslos hinnehmen. Um nicht schon zum Amtsantritt des neuen Chefs Verwerfungen aufkommen zu lassen, bemühten sich die kommunalen Spitzenverbände bis zuletzt, einen gemeinsamen Kandidaten für Nasers Nachfolge zu finden. Ein intern diskutiertes Szenario sah so aus, dass Erlangens OB Balleis zur Aufgabe überredet werden soll. Dafür stünde dann den Städten ein Vorschlagsrecht bei der Wahl des übernächsten Sparkassenchefs in fünf Jahren zu.

© SZ vom 26.02.2010/pbar

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