Neuer Imagefilm Rockerparadies Bäd Füssing

Bad Füssing ist vor allem als Rentnerparadies in Niederbayern bekannt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Lässigkeitslevel des Rentner-Kurorts? Überschaubar, denken viele unter 70. Das Gegenteil soll nun ein Imagefilm beweisen - mit Harley und Bikinimäuschen.

Kolumne von Andreas Glas

Seit ein paar Tagen ist Bad Füssing kein braver Kurort mehr, seit ein paar Tagen muss Bad Füssing englisch ausgesprochen werden: Bad Füssing (sprich: Bäd Füssing), böses Füssing. Das hat mit dem neuen Imagefilm zu tun, den die Kurverwaltung präsentiert hat.

Der Plot des siebenminütigen Roadmovies geht so: Ein gwamperter Rocker in Lederkutte röhrt auf seiner Harley durchs Rottal und der Fahrtwind föhnt seine klebrigen Zotteln, die aus dem Totenkopf-Kopftuch rausflattern. Plötzlich kracht der Auspuff, der gwamperte Rocker hält an, bückt sich, um die Maschine zu begutachten, und als er sich bückt, da kracht es wieder, diesmal sein Lendenwirbel. Und weil in der Nähe dieser langweilige Kurort ist, dieses "Rentnerparadies", wie der Rocker spöttelt, legt er einen unfreiwilligen Stopp beim Krankengymnasten in einem Wellnesshotel in, genau, Bad Füssing ein.

Was dann kommt, ist dramaturgisch eher vorhersehbar: Der gwamperte Rocker fühlt sich plötzlich pudelwohl in Füssing, wird vom Physio geheilt, planscht putzmunter im Thermalbad und macht Selfies mit Bikinimäuschen. Mit sehr jungen Bikinimäuschen natürlich, denn der Imagefilm soll ja die Botschaft transportieren, dass das spießige Rentnerparadies in Wahrheit ein hipper Jungbrunnen ist.

Yolo! Wer Bad Füssing kennt, der weiß, dass sich die Drehbuchautoren des Rottaler Roadmovies von wahren Begebenheiten inspirieren ließen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen im Rentnerparadies sind keinesfalls zufällig, nur haben die Filmemacher eben den Rollator durch eine Harley Davidson ersetzt und die Gesundheitssandalen durch Cowboystiefel.

Zugegeben, so lächerlich ist der Film gar nicht. Er zeigt, dass die Füssinger über ihr Rentner- und Spießer-Image lachen können. Zum Beispiel die Szene, als der gwamperte Rocker an akkurat bepflanzten Verkehrsinseln vorbei durch die Tempo-30-Zone rast, die überall in Füssing gilt, und fast eine Frau überfährt, die ihre Erbtante spazieren führt. Am Ende des Films übrigens holt der gwamperte Rocker seine Kumpels nach und die Bad Boys machen eine Tour durchs Rottal, gemütlich auf dem Radl versteht sich. Einen Rest Identität will sich Bad Füssing dann doch bewahren.

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