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Neue Studie:Sperrstunde macht Orte nicht sicherer

Bamberger Sandkerwa

In der Bamberger Sandstraße ist immer viel los, nicht nur im August während der Sandkerwa.

(Foto: David Ebener/dpa)

Nächtliche Öffnungszeiten haben kaum Einfluss auf Kriminalität

Eine strenge Sperrzeit-Regelung in Städten hat nach dem Ergebnis einer Studie kaum Einfluss auf die nächtliche Kriminalität. Die erweiterte Sperrzeit reduziere Straftaten, wie Körperverletzungen, nicht. Es gebe effektivere Maßnahmen gegen nächtliche Gewalt, heißt es in der Studie, die zwei Wissenschaftler der Uni Bamberg und der Technischen Universität Dresden vorgelegt haben. Untersucht wurde in 13 Städten in Bayern, wie sich die unterschiedlichen Sperrzeiten auf die Anzahl von Körperverletzungen auswirken. "Wir konnten feststellen, dass die Sperrzeitverlängerung nur marginale Effekte auf die Anzahl der untersuchten Delikte hat", sagte Falko Tesch. "In Städten, die generell ein niedriges Gewaltpotenzial aufweisen, bleibt es niedrig." Gebe es in einer Stadt ohnehin mehr Körperverletzungen als anderswo, werde dieser Trend durch kürzere Öffnungszeiten sogar verstärkt - womöglich, weil es zu Unruhen kommt, wenn viele Gäste gleichzeitig die Lokale verlassen müssen. "Wir können nach der Auswertung nicht sagen: Seit die erweiterte Sperrzeit eingeführt wurde, gab es mehr oder weniger Straftaten in einer bestimmten Stadt", betonte Tesch.

2005 wurde die Sperrstunden-Regelung in Bayern weitgehend liberalisiert, nur noch zwischen fünf und sechs Uhr müssen Lokale geschlossen sein. Kommunen können jedoch selbst die Sperrstunde verlängern. So handelte etwa die Stadt Bamberg - und führte 2011 eine kommunale Sperrzeit ein. Kneipen und Clubs müssen werktags um zwei Uhr schließen, am Wochenende um vier Uhr. Dabei habe das Thema Kriminalität nicht im Fokus gestanden, betonte eine Stadtsprecherin. "Vielmehr ging es vor allem um Lärmbelästigung." Durch die Verlängerung der Sperrzeit seien positive Effekte erzielt worden - die Stadt komme früher zur Ruhe. Am Wochenende kämen durch die längeren Öffnungszeiten aber auch alle, die gerne lange feiern, auf ihre Kosten.

Die Wissenschaftler folgern aus ihrer Studie, dass es effektivere Maßnahmen zur Eindämmung der Kriminalität gibt: So müsste strenger kontrolliert werden, dass kein Alkohol an stark betrunkene Gäste mehr ausgegeben wird. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) plädiert für eine stärkere Alkoholprävention anstatt dafür, die Sperrzeiten zu verlängern.

© SZ vom 28.05.2018 / dpa
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