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Nachruf:Labor-Unternehmer Schottdorf im Alter von 78 Jahren gestorben

Augsburg: Bernd Schottdorf

1940 in Berlin geboren, baute Bernd Schottdorf in Augsburg ein Großlabor auf. Am Dienstag starb er mit 78 Jahren auf Schloss Duttenstein.

(Foto: Johannes Simon)

Er war Pionier, Arzt, Hobby-Maler, Millionär - und beschäftigte über Jahre Justiz und Politik: Bernd Schottdorf ist tot.

Von Maximilian Gerl, Augsburg/Dischingen

Er war Pionier, Arzt, Hobby-Maler, Millionär - und beschäftigte über Jahre Justiz und Politik: Bernd Schottdorf ist tot. Am Dienstag erlag er einem Krebsleiden. Er wurde 78 Jahre alt.

Der Spiegel bezeichnete Schottdorf mal als einen "der umstrittensten Männer des deutschen Gesundheitswesens". Der Mediziner hatte in Augsburg eine der größten Labor-Firmen Europas aufgebaut: Als einer der Ersten setzte er in den 1970er-Jahren auf computergestützte Analysen. Das machte ihn reich - und brachte ihm zahlreiche Gerichtsprozesse ein, darunter die "Schottdorf-Affäre". Ärzte in Schottdorfs Laboren, so 1992 der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sollten Leistungen mehrfach abgerechnet haben. Der Betrugsschaden von etwa 100 Millionen Mark konnte Schottdorf jedoch nicht nachgewiesen werden. In den Folgejahren flammte die Affäre immer wieder auf. Sogar ein Untersuchungsausschuss im Landtag befasste sich damit, wegen angeblicher Kontakte zwischen Schottdorf und der CSU. Zuletzt erhob die Staatsanwaltschaft im März wieder einmal Anklage gegen Schottdorf. Zusammen mit seiner Ex-Frau soll er Laborfahrer scheinselbständig beschäftigt und die Sozialkassen um rund 14,5 Millionen Euro gebracht haben. Schottdorfs Ex-Frau wird sich als Geschäftsführerin der betroffenen Firma alleine dem Prozess stellen müssen.

Schottdorf galt als Kämpfer. So fuhr sein Auto 1977 während einer Afrika-Safari auf eine Panzermine, mehrere Insassen starben. Schottdorf schleppte sich schwer verletzt ins nächste Dorf. Laut der Augsburger Allgemeinen lebte Schottdorf zuletzt auf seinem Jagdschloss in Baden-Württemberg und arbeitete an einem Gerät, um Planzenabfall in Kohlenstoff umzuwandeln. Er soll es, ganz unbescheiden, "Schottdorf-Meiler" genannt haben.

© SZ vom 04.05.2018/huy
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