Interview mit Sozialpädagogin:Welche Möglichkeiten hat eine Frau kurz vor der Geburt, die ihr Kind nicht behalten möchte?

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Sie sollte auf jeden Fall zu einer Beratungsstelle gehen. Davon gibt es viele, und auch viele verschiedene Träger. Dort wird ihr schnell und fachkundig geholfen. Dann kann sie sich gemeinsam mit den Beraterinnen überlegen, wie es weitergehen soll: Sie könnte das Kind zum Beispiel zur Adoption freigeben. Und seit diesem Monat gilt das neue Gesetz über die vertrauliche Geburt.

Was steht da drin?

Das Gesetz erlaubt der Schwangeren, ihr Kind in einer sicheren Umgebung und mit medizinischer Betreuung zur Welt zu bringen, und sie muss auch nichts dafür bezahlen. Das Wichtigste ist aber, dass sie ihren wahren Namen nicht verraten muss. Den erfährt nur das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Das Kind kann ihn nach 16 Jahren erfragen.

Aber richtig anonym ist die Geburt dann ja auch nicht.

Es kommt drauf an. Das Gesetz sieht Ausnahmen vor, wenn die Mutter auch nach 16 Jahren nicht in der Lage ist, ihre Identität offenzulegen. Aber der Normalfall ist, dass die Daten nach 16 Jahren weitergegeben werden - wenn das Kind es möchte. So wird das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung gewahrt, das ist in der Menschenrechtskonvention festgeschrieben.

Und was ist mit den Babyklappen?

Die gibt es weiterhin, jedenfalls noch für eine Weile. Eigentlich soll die vertrauliche Geburt auf lange Frist die Klappen ablösen, denn die sind rechtlich in einer Grauzone. Außerdem ist den Frauen damit noch nicht geholfen, sie müssen ja auch medizinisch versorgt werden. Aber das Gesetz ist noch ganz neu. Es gibt noch gar keine Erfahrungswerte, wie sich die neue Regel auswirkt. Das muss man erst einmal abwarten.

Haben Babyklappen dazu geführt, dass weniger Neugeborene getötet werden?

Nein. Frauen, die ihr Kind töten, sind wie gesagt in so einem schwierigen seelischen Zustand, dass sie sich keine vernünftigen Gedanken um das Kind machen. Welche Frauen Babyklappen nutzen, kann man wiederum nicht wissen, weil sie unbekannt bleiben. Zum Beispiel könnten das auch Frauen sein, die sich illegal in Deutschland aufhalten und wenigstens für ihr Kind ein besseres Leben haben wollen. Wobei das eigentlich auch nicht der richtige Ansatz ist. Es wäre viel besser, wenn man es schaffen würde, beiden, der Frau und dem Kind gemeinsam, ein gutes Leben zu ermöglichen.

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