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Museum der bayerischen Könige:Eine der schönsten Adressen Bayerns

Die Spielsoldaten des kleinen Kini, ein begehbarer Stammbaum und Exklusives aus dem "Geheimen Hausarchiv": Im einstigen Grandhotel am Alpsee haben die Wittelsbacher ihr "Museum der bayerischen Könige" eröffnet - das neben den Exponaten noch einen genialen Moment zu bieten hat.

Spielzeugsoldaten! Gleich in einer der ersten Vitrinen steht ein Dutzend uniformierter Männchen. Als hätte der kleine Kronprinz Ludwig soeben noch in seiner Hohenschwangauer Kinderstube mit ihnen herumhantiert, ehe er zu seinen geliebten Fasanenwürsteln gerufen wurde.

Eroeffnung Museum der Bayerischen Koenige  / Preview

Im Saal der Könige zieht der vergoldete Tafelaufsatz alle Blicke auf sich.

(Foto: JOHANNES SIMON)

Die farbigen Mantschgerln sind eine Mischung aus Zinnsoldaten und Playmobil-Figuren. Aus Holz und Pappmaschee gefertigt. Alle Nationen sind vertreten, Franzosen, Preußen, Österreicher und Bayern. So hat der spätere König Ludwig II. schon beim Spielen gelernt, mit welchem Gewand die diversen Armeen in die Schlacht zogen.

Ludwig II. hat tatsächlich mit ihnen gespielt", sagt Elisabeth von Hagenow, "es ist meine Lieblingsvitrine." Die promovierte Kunsthistorikern ist Leiterin des Projekts "Museum der bayerischen Könige", das am Freitag in Hohenschwangau zu Füßen der zwei Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau eröffnet wurde.

Die Ausstellung im ehemaligen Grandhotel Alpenrose und dem benachbarten Jägerhaus soll die dritte Attraktion in dem Ort werden, der alljährlich von zwei Millionen Touristen überschwemmt wird. Nach einem ersten Rundgang darf mit Fug und Recht behauptet werden: Die Schau auf 1200 Quadratmeter bereichert das touristische Angebot erheblich.

Zu Hektik, Kitsch und Fotomotiven droben in den Schlössern gibt es jetzt unten am Ufer des Alpsees ein ernsthaftes Alternativprogramm; hier kann sich der Besucher ganz nach seinem Gusto über das bayerische Königshaus informieren. Und zwar nicht nur über den sogenannten Märchenkönig und seine wahnwitzigen Projekte, sondern über die gesamte Familie der Wittelsbacher.

Zudem darf der Besucher - ganz im Gegensatz zu den Führungen im Schloss - so lange bleiben und so tief schürfen wie er will. Kurzum: Das "Museum der bayerischen Könige" ist für historisch Interessierte schlichtweg Pflicht.

Die Idee zu dem Museum hatte Franz Herzog von Bayern. Ihn störte schon seit langem, dass die Geschichte seiner Familie ständig auf Ludwig II. reduziert wurde. 2008 startete der Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) die Gegenoffensive: Er nahm eine zweistellige Millionensumme in die Hand, restaurierte sein denkmalgeschütztes und Jahrzehnte ungenutztes ehemaliges Grandhotel Alpenrose mitsamt dem benachbarten Jägerhaus, krönte beide Gebäude mit einem High-Tech-Stahlgewölbe und ließ das Haus der Bayerischen Geschichte ein Konzept erstellen.