bedeckt München

Mitten in Bayern:So wird man ein Gäubodenbüffel

Im Fernsehen ringlstettert es derzeit über die Maßen. Und so war man froh, als mal ein anderer im Fokus der BR-Sendung stand. Doch ein wirklich gutes Ende nahm das auch nicht

Kolumne von Hans Kratzer

Dem Doudschmatzer Hannes Ringlstetter zu entkommen, ist dem Fernsehpublikum zurzeit kaum möglich. Vor allem im ARD-Programm ringlstettert es brutal. Man weiß mittlerweile alles über ihn, sogar wo er als Kind in der Nase gebohrt hat. Ein Themenwechsel schadet also nicht, weshalb sich Ringlstetter zuletzt mit dem Moser Martin beschäftigte, einem braven Mann, der beruflich im Nationalpark Bayerischer Wald tätig ist. Ringlstetters Sendeteam hatte Gefallen an Mosers Ausdrucksweise gefunden. Es gibt ein Video, in dem er wortreich erklärt, was im Nationalpark täglich zu tun ist. Im Dunstkreis des zu 99,9 Prozent dialektbefreiten Bayerischen Fernsehens wurden seine Sätze freilich als ähnlich exotisch empfunden wie das bayerische Volkslied "Mo ma du" (Mann, mähe du), das im Kultursender Bayern 2 als afrikanisch gedeutet wurde.

"Mir damado jeden Tag rauffahren", erzählt Moser im Video, worauf sich Caro Matzko, Ringlstetters Kollegin, in dessen Sendung beklagte, sie habe jetzt aber gar nichts verstanden. Ringlstetter begann daraufhin Mosers Worte an einer Tafel auszudeutschen, wobei er die hilfsverbalen Konstruktionen duamado und duamadi (tun wir da und tun wir die) hervorhob. Duamado und duamadi ist vollendetes Bayerwald-Idiom und vokaltechnisch von Shakespearescher Wucht.

Im Fernsehen wecken edle Sprachvariationen aus Ostbayern oft einen Gaudireflex, als offenbare sich hier ein krasses Redebeispiel von sprachlich Minderbemittelten. Natürlich rief auch Ringlstetters Spaßparade im Bayerischen Wald Proteste hervor, das Onlinemagazin da Hog'n hat sie dokumentiert. "Am liawan dade den vofuadan so bled wia der daherred", schrieb eine Frau sehr charmant. Aber nicht nur, dass man ihn gerne verfüttern würde, musste sich der Niederbayern Ringlstetter anhören, sondern auch, dass er seinen eigenen Dialekt nicht beherrsche. Er hatte Mosers Satzkonstrukt "I duamado" zwar elegant durchkonjugiert (du duamadiast ...), die Kritiker hielten ihm aber vor, richtig heiße es "I duado, du duastdo ...". Fast versöhnlich klingt das letzte "Lob", das ihm, dem Straubinger Striezi, in der Debatte geschenkt wurde. "Wos mächt ma denn sunst von an Geibonbiffe dawoadn? Gäubodenbüffel - wenn das keine Ehrenrettung ist!

© SZ vom 20.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite