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Mitten in Bayern:Himmel in der Hölle

Wenn ein Filmteam in Niederbayern unterwegs ist, dann meist, um den Freistaat von seiner hässlichen Seite zu zeigen. Für das himmlische Bayern fahren die Kamerateams dann doch lieber nach Oberbayern. Doch es gibt Hoffnung

Im Gasthaus Hasenberger fand Ende September ein Casting statt. Das Gasthaus steht in Haarbach, Kreis Passau, also in Niederbayern. Zum Casting geladen hatte Regisseur Joseph Vilsmaier. Er suchte Komparsen für seinen Film "Der Boandlkramer und die Liebe". Mitmachten durften "Menschen jedes Alters und Geschlechts", so hat es die Produktionsfirma in der Einladung formuliert. Drei Bedingungen gab es dann aber doch. Erstens: keine gefärbten Haare. Zweitens: keine sichtbaren Tattoos. Drittens baten die Filmemacher darum, "ungeschminkt zum Casting zu kommen". Für Niederbayern stand also mal wieder das Schlimmste zu befürchten.

Wieso? Weil alles danach aussah, als bastle wieder ein Filmteam an der üblichen, klischeebeladenen Niederbayern-Kulisse. Keine Farbe, keine Tattoos, keine Schminke: tristes, graues Niederbayern. Immer dasselbe. Soll Bayern von seiner himmlischen Seite gezeigt werden, fahren die Filmemacher nach Oberbayern oder ins Allgäu und stellen die Kamera auf Unterbelichtung, damit die Geranien extra rot und die Wiesen extra grün wirken. Soll Bayern von der höllischen Seite gezeigt werden, fahren sie nach Niederbayern, stellen auf Überbelichtung, damit alles schön hässlich rüberkommt. So war das zuletzt in Gotteszell, wo die Macher des Films "Eine ganz heiße Nummer 2.0" die Schauspieler in dermaßen altbackene Kleider steckten, dass der Bürgermeister sich zur Klarstellung genötigt sah: "Also, so weit hinterm Mond sind wir nicht, wie im Film dargestellt." Und in Frontenhausen, Drehort der Eberhofer-Krimis, ließ der Regisseur die Geranien am Rathaus abhängen und die neuen Rattanstühle auf dem Marktplatz durch alte Plastikstühle ersetzen. Das Filmteam habe den Ort extra "greislig gemacht", sagte der Bürgermeister.

Droht dieses Schicksal nun also auch den Haarbachern? Höllisches Niederbayern? Interpretiert man die Passauer Neue Presse richtig, gibt es Indizien dafür. Als bei den Dreharbeiten die Wolken aufrissen, habe das Kamerateam "sofort ein riesiges weißes Tuch" gespannt, um trotz Sonne "eine einheitliche Belichtung hinzukriegen". Es gibt aber auch Hinweise, dass Niederbayern diesmal vom Klischee verschont bleibt. Bald zieht das Filmteam nämlich weiter ins Kloster Metten. Welche Kulisse dort nachgestellt wird, wurde Regisseur Vilsmaier neulich gefragt. Seine Antwort: der Himmel.