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Mitten in Bayern:Als Seen noch zum Fürchten waren

Es war auch schon mal mehr Sommer als in diesem Jahr. Und da ist es doch klar, dass sich die Sommerloch-Tiere auch eher im Hintergrund halten

Vor Wochen wurde an dieser Stelle der Namen gedacht, die frühere Sommer hervorgebracht hatten. Damals machten noch Schnappschildkröten (Lotti, Eugen), riesige Eidechsen (Klausi), verkehrsgefährdende Kühe (Yvonne) oder Problembären (Bruno) Bayern unsicher - und schafften es so in die Annalen des Sommerlochs. Doch zuletzt taten sich Unruhestifter schwer: Kaum entflohen, wurden sie gleich eingefangen oder von Autos überfahren. Nur Knicksy ist seit Monaten mutmaßlich im Augsburger Land unterwegs. Dummerweise rangiert es als Känguru auf der nach oben offenen Monster-im-Badesee-Kreisch-Skala eher unten; Knicksys Status für die Ewigkeit ist damit ungewiss.

Trotzdem scheint die Tierwelt - und zu viele ihrer Halter - die Motivation aufzubringen, neue Kandidaten aufzustellen. Sinn und Erfolg sind, nun ja, von zweifelhafter Natur. So barg vor Kurzem der Tierschutzverein Landsberg auf einem Hohenfurcher Parkplatz zwei Kornnattern im Karton. Die Schlangen stammen aus Nordamerika und fressen kleine Säuger oder Vögel. In Rosenheim stoppte die Polizei ein Auto mit elf Würgeschlangen an Bord. Am weitesten von ihnen kam eine Boa, sie hatte sich aus ihrer Box befreit und erfolglos im Rahmen der Beifahrerkabine versteckt. Und in Abensberg stieß ein Bub auf ein Insekt, das Kelheimer Polizisten als Riesendorngespenstschrecke identifizierten. Vertreter dieser in Ostasien heimischen Art werden bis zu 15 Zentimeter groß. Ihr Anblick ist durchaus zum Erschrecken, aber wer sich so leicht in Gewahrsam nehmen lässt, ist aus dem Rennen. So sind die Regeln, die Medienbranche ist da unerbittlich.

Vielleicht hilft ein Blick in die Nachbarschaft. Von der Schweiz lässt sich lernen, dort soll es sogar Mobilfunkempfang auf dem Land und pünktliche Züge geben. Über Wochen suchte der Kanton Aargau nach einem Kaiman, der sich angeblich im Hallwilersee herumtreibt. Kameras wurden aufgestellt. Die Auswertung der Fotos habe etliche Stunden Zeit gekostet, zitiert die Aargauer Zeitung einen Experten. Enten und Schwimmer seien abgelichtet worden, aber kein Krokodil. Darum stellt der Kanton jetzt die Suche ein, offiziell. Inoffiziell ist der Kaiman, von dem niemand weiß, ob es ihn gibt, weiter höchst erfolgreich auf der Flucht.