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Missbrauch an katholischen Schulen:"Wir stehen ganz am Anfang"

Die Idylle bröckelt: Nach dem Rücktritt des Abts Barnabas Bögle hat die Staatsanwaltschaft München nun ein Ermittlungsverfahren gegen Angehörige der Klosterschule Ettal eingeleitet.

Im Missbrauchsskandal an der Schule des Benediktinerklosters Ettal ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Es sei ein Ermittlungsverfahren gegen Angehörige des Klosters wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern eingeleitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft München II an diesem Donnerstag mit. Insbesondere ein Klosterangehöriger stehe im Verdacht, sich an mehreren Kindern vergangen zu haben. Die Erzdiözese München und Freising rief die Benediktinerabtei zur rückhaltlosen Aufklärung auf. "Beim sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kann es keine Toleranz geben", sagte der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Prälat Peter Beer, laut Mitteilung. Am Mittwoch war der Ettaler Abt Barnabas Bögle auf Beers Ersuchen hin von seinem Amt zurückgetreten.

Bögle übernahm damit die Verantwortung dafür, dass in einem Fall möglichen Missbrauchs Minderjähriger durch einen Mitbruder aus dem Jahr 2005 gegen die innerkirchliche Meldepflicht verstoßen wurde. Die bischöflichen Leitlinien von 2002 sehen laut Ordinariat eine Meldepflicht an den zuständigen Bischofsbeauftragten unabhängig davon vor, ob auch tatsächlich ein Missbrauch vorliegt.

Laut Staatsanwaltschaft sind die Taten des beschuldigten Klosterangehörigen nicht verjährt. Missbrauch verjährt demzufolge zehn Jahre nach der Volljährigkeit des kindlichen Opfers. Wie viele Missbrauchsfälle und wie viele Opfer es in Ettal insgesamt gibt, ist noch unklar. "Wir sind ganz am Anfang unserer Ermittlungen", sagte Oberstaatsanwältin Andrea Titz. "Es ist ein großer Komplex. Wir können noch keine Auskunft geben, um wie viele potenzielle Beschuldigte es geht." Generalvikar Beer verlangte, das Kloster müsse nun von sich aus unnachgiebig aufklären und die Vorwürfe aufarbeiten. "Dabei darf es nicht nur um jahrzehntelang zurückliegende Vorfälle gehen, die heute kaum mehr strafrechtlich verfolgt werden können. Sondern es muss auch die Frage beantwortet werden, ob gegebenenfalls bis in die jüngste Vergangenheit Verfehlungen begangen wurden und Versäumnisse vorliegen." Zudem müsse erklärt werden, wie mit Verdächtigen und Tätern verfahren wurde und ob diese dann konsequent von Kindern und Jugendlichen ferngehalten wurden.

Die Erzdiözese leistet seit Montagabend Amtshilfe bei der Aufarbeitung in Ettal. "Ein Verschleiern, Vertuschen und auf die lange Bank schieben wäre nicht hinnehmbar", erklärte Beer. "Wir fordern volle Transparenz." Seit Wochen wird die katholische Kirche in Deutschland von zahlreichen Missbrauchsskandalen erschüttert. Mittlerweile haben sich weit über 100 Opfer gemeldet.