Machtgerangel in der CSU Geheimtreffen nach Strauß-Andacht

Neue Runde im CSU-Machtkampf: Die Bewerber für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten treffen sich. Vorher zieht Landtagsfraktionschef Schmid seine Bewerbung zurück.

Am 20. Todestag des bayerischen Landesvaters Franz Josef Strauß kam es zum geheimen Treffen seiner potentiellen Amtsnachfolger - und zwar unmittelbar nach dem Gedenkgottesdienst für den großen Vorsitzenden in Rott am Inn.

Andächtiges Nebeneinander vor dem Geheimtreffen: die teilweise einander nicht immer freundlich gesinnten CSU-Granden Haderthauer, Huber, das Ehepaar Stoiber, Glück beim Gedenkgottesdienst für Franz Josef Strauß, der am 3. Oktober 1988 gestorben war.

(Foto: Foto: dpa)

Es sei um die Beckstein-Nachfolge gegangen, wurde in CSU-Kreisen bestätigt. Neben Bundesagrarminister Horst Seehofer, Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nahm an dem Treffen auch der noch amtierende CSU-Chef Erwin Huber teil.

Derweil äußerte sich der zum Rücktritt gedrängte Noch-Amtsinhaber zur eigenen politischen Zukunft: Günther Beckstein sieht sie im Maximilianeum.

Der gestürzte Ministerpräsident will als einfacher Abgeordneter im Landtag bleiben. Einen Spitzenposten strebt der 64-Jährige nicht mehr an. "Ich habe mich dafür entschieden, dass ich das Mandat annehmen werde", sagte Beckstein der Deutschen Presse-Agentur. "Ich werde aber selbstverständlich keinem Kabinett angehören."

Beckstein will keinen Streit mit seinem Amtsvorgänger Edmund Stoiber anzetteln. Ein Hauptgrund für Becksteins Rücktritt am Mittwoch war ein Rücktrittsultimatum aus dem CSU-Bezirksverband Oberbayern, dem Stoiber angehört. "Es ist aber nicht so, dass ich irgendwelche Rachegelüste gegenüber Stoiber empfinde. Schließlich haben wir über Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet", sagte Beckstein.

Niederbayern für Seehofer

"Meine Äußerungen zu Edmund Stoiber sind kein Revanchefoul", sagte Beckstein. Er selbst hätte im Bereich Bildung und beim Transrapid deutlicher herausstellen müssen, dass er andere Akzente gesetzt habe als Stoiber, so der noch amtierende Regierungschef im Rückblick auf den Landtagswahlkampf.

Im Kampf um die Beckstein-Nachfolge hat sich das Feld der potentiellen Nachfolger verkleinert: Die CSU hat nurmehr drei Interessenten für das Amt des bayerischen Ministerpräsideten. Landtagsfraktionschef Georg Schmid zog an diesem Freitag seine Bewerbung zurück.

"Nach reiflicher Überlegung und nach zahlreichen Gesprächen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich am besten in meiner bisherigen Funktion als Fraktionsvorsitzender zur notwendigen Geschlossenheit der CSU beitragen kann", sagte er am Freitag in München. Deshalb sei es nicht sinnvoll, die Bewerbung für das Amt des Ministerpräsidenten aufrecht zu erhalten.

Er wolle seine ganze Kraft dafür einsetzen, "dass Partei und Fraktion wieder zu Einheit und alter Stärke zurückfinden, um gute Politik für die Menschen in Bayern zu gestalten".

Nun streben noch Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Innenminister Joachim Herrmann nach dem Amt des Regierungschefs. Falls sich die CSU-Landtagsfraktion auf keinen Kandidaten einigt, steht der designierte Parteichef Horst Seehofer als dritter Bewerber bereit.

Der bayerische Staatskanzleichef Eberhard Sinner ließ schon zuvor durchblicken, dass Schmid wenig Chancen auf den Beckstein-Posten habe. Sinner sagte, er rechne mit einem "Kopf-an-Kopf-Rennen" zwischen Goppel und Herrmann um das Ministerpräsidentenamt. "Vermutlich werde es eine Konsenslösung" geben. Bis Mittwoch werde man sich sicher einigen.

Im CSU-internen Machtkampf wird nun Seehofer zunehmend favorisiert. Neben den CSU-Bezirken Oberbayern und Oberpfalz gibt es inzwischen auch im Bezirksvorstand der niederbayerischen CSU eine klare Präferenz für Seehofer, wie ein Sprecher bestätigte.

Der Kampf ums Erbe

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