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Beckstein-Nachfolger:Der Kampf ums Erbe

In der CSU ist ein offener Machtkampf um das Amt des Ministerpräsidenten entbrannt. Vier Kandidaten stehen sich gegenüber. Wer welche Chancen hat - ein Überblick in Bildern.

Birgit Kruse

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Seit der Rücktrittserklärung von Günther Beckstein ist in der CSU der offene Machtkampf um das Amt des Ministerpräsidenten entbrannt: Vier Kandidaten wollten als neuer Regierungschef in die Staatskanzlei einziehen: Thomas Goppel, Georg Schmid, Joachim Herrmann und Horst Seehofer. Jetzt sollten sie sich untereinander einigen. Ein Kampf mit ungleichen Waffen - aus dem Horst Seehofer als Sieger hervorging.

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Kandidat 1 - Thomas Goppel:

Es gibt sicherlich einiges, was für Thomas Goppel als künftigen Ministerpräsidenten gesprochen hätte: Da wäre zum einen seine große Beliebtheit an der Basis. Goppel kann auf Menschen zugehen - Berührungsängste sind ihm fremd. Das fanden die Menschen schon, als er noch Generalsekretär war.

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Auch in der CSU-Fraktion, die den künftigen Ministerpräsidenten wählen wird, ist Goppel beliebt - auch wenn viele schon etwas genervt die Augen verdrehen oder amüsiert schmunzeln, wenn Goppel sich wieder einmal selbst für ein höheres Amt ins Gespräch bringt. Er hält sich für den richtigen Kandidaten - egal für welches Amt.

Doch Selbstbewusstsein alleine reicht nicht.

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Mit 61 Jahren ist Goppel zu alt. Er steht für die alte CSU, nicht für den dringend notwendigen Generationenwechsel. So haben sich die Oberbayern im vergangenen Jahr auch nicht für Goppel, sondern für den jüngeren Siegfried Schneider als CSU-Bezirkschef ausgesprochen.

Dann hat ihm auch noch sein Bezirk die Gefolgschaft versagt und sich hinter Horst Seehofer als künftigen Miniterpräsidenten gestellt.

Und Edmund Stoiber, der hinter den Kulissen fleißig Strippen zieht, kämpft auch nicht für ihn, sondern für Horst Seehofer.

Die Einzigen, die Goppel bei seiner Kandidatur unterstützt haben, waren die Unterfranken.

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Schlechte Karten für Goppel. Wieder einmal geht sein Traum nicht in Erfüllung, es seinem Vater gleichzutun und Ministerpräsident zu werden. Kein Wunder, dass er jetzt verärgert reagiert: "Immer dann, wenn ich gesagt hab', was ich will, komme ich nicht zum Zuge. Halt' ich's Maul, kriege ich das, was ich möchte", sagte er im Fernsehen.

Vielleicht wird's ja was als nächster Landtagspräsident - wenn da nicht Barbara Stamm wäre.

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Kandidat 2 - Joachim Herrmann:

Es gab Zeiten in der CSU, in denen wurde Joachim Herrmann als einer der "Kronzprinzen" gehandelt, der Edmund Stoiber im Amt des Ministerpräsidenten beerben würde. Das waren die Zeiten, in denen der Mittelfranke noch CSU-Fraktionschef war und mit seiner sonoren Stimme Fraktionssitzungen moderierte.

Doch dann wurde Beckstein Stoibers Nachfolger und der heute 52-jährige Jurist wechselte von der Fraktion ins Innenministerium. Ein Posten, der gemeinhin als Sprungbrett in das Amt des Ministerpräsidenten gilt.

Zudem gilt Herrmann als klug, er kann in der Partei immer wieder mit Fachwissen punkten und ist auch in der Schwesterpartei CDU kein Unbekannter.

Doch darauf kam es nicht an.

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Kritiker bezeichen den Mittelfranken als führungsschwach und erinnern immer wieder gerne an das Desaster, das er bei der Abstimmung über liberale Ladenöffnungszeiten herbeigeführt hat. Er hat es nicht geschafft, die Fraktion auf eine Linie einzuschwören. Die Folge: ein peinlicher Patt.

Ähnlich blass und durchsetzungsschwach ist er nun als Innenminister. Moderieren statt entscheiden ist das Motto des Mannes, den sie intern gerne als "Balou" bezeichnen - in Anlehnung an den gemütlichen Bären aus dem Dschungelbuch.

Die Folge: Herrmann bekam nur Unterstützung von seinem CSU-Heimatbezirkes Mittelfranken.

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Kandidat 3 - Georg Schmid:

Innenminister wäre er gerne geworden, im Kabinett wäre er gerne geblieben. Doch sein Ziehvater Beckstein hatte anderes mit ihm vor - empfahl ihn der Fraktion als Chef. Eine Chance, die der 55-Jährige hätte nutzen können - gilt dieser Posten doch als Sprungbrett ins Kabinett. Doch Schmid ist es nicht gelungen, eigene Akzente zu setzen, mit eigenen Themen zu punkten, raunen seine Kritiker.

Und dann noch das Desaster mit dem Rauchverbot.

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Als Vater des strengen Rauchverbots machen viele in der Partei den Schwaben für die Wahlniederlage mitverantwortlich.

Das kann er auch nicht mehr durch sein freundliches Wesen und seinen unbezwingbaren Optimismus kaschieren.

Er war der erste, der seine Kandidatur zurückgezogen hat. Er möchte das bleiben, was er ist: Fraktionschef. Doch sicher kann er nicht sein: Beobachter sehen ihn als Nächsten auf der parteiinternen Abschussliste.

Nachdem alle Kandidaten aus der CSU-Fraktion im Laufe der Woche auf eine Kandidatur für die Beckstein-Nachfolge verzichtet haben, geht Horst Seehofer als lachender Vierter aus dem Rennen:

Schmid mit Noch-Generalsekretärin Christine Haderthauer in Wildbad Kreuth.

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Kandidat 4 - Horst Seehofer

Noch vor einem Jahr war Horst Seehofer in der Partei Persona non grata. Seine Affäre mit einer Bundestagsangestellten und das nichteheliche Kind kamen in der Partei nicht gut an. Seine Chancen, an Stelle von Huber Parteichef zu werden, gingen gegen null.

Doch rasch hatte man dem Ingolstädter verziehen. Auch wenn er die Kampfabstimmung gegen Huber vor 13 Monaten verloren hatte - als Vize erhielt er dennoch ein ausgesprochen gutes Ergebnis.

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Jetzt stehen alle Zeichen daruf, dass der 59-Jährige nicht nur Parteichef, sondern auch Ministerpräsident wird. Dass er für das Amt bereitstehen würde, hat er bereits verkündet: Sollten sich die drei Mitstreiter binnen einer Woche nicht auf einen Kandidaten einigen können, werde er sich zur Verfügung stellen.

In der CSU-Fraktion, die den Ministerpräsidenten wählt, hat Seehofer nicht nur Freunde - vielen gilt er als Einzelgänger und Ichling. Doch an der Basis ist er beliebt. Auch die CSU-Landesgruppe in Berlin steht hinter ihm. Und im Gegensatz zu den anderen Kandidaten ...

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... verfügt er über 18 Jahre bundespolitische Erfahrung, gilt als politisches Schwergewicht mit Durchsetzungskraft - eine Eigenschaft, die in den kommenden Monaten besonders gefragt sein wird. Für die Europawahlen muss die CSU über 40 Prozent der Stimmen holen, um wieder in Brüssel vertreten zu sein. Und auch bei der Bundestagswahl steht viel auf dem Spiel - auch für die CDU, die bislang immer auf den Stimmen-Staubsauger aus Bayern vertrauen konnte.

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Zudem haben sich zahlreiche CSU-Bezirksverbände für den Bundesminsiter als künftigen Ministerpräsidenten ausgesprochen. Neben den mächtigen Oberbayern und dem Münchner CSU-Bezirk haben sich inzwischen auch die Niederbayern, die Oberpfälzer, der schwäbische Bezirkschef sowie die Junge Union hinter ihn gestellt.

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Jetzt ist es an dem Ingolstädter, die zahlreichen Probleme der Partei in den Griff zu bekommen.

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(sueddeutsche.de/buma)

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