Landshut:Wenn ein Tippfehler zu fast 800 000 Euro Mehrkosten führt

  • Durch einen Fehler entstehen beim Bau der neuen Sozialverwaltung in Landshut Mehrkosten in Höhe von knapp 800 000 Euro.
  • Grund ist, dass ein Architekturbüro zuerst den Preis für 75 anstelle von 750 Tonnen Stahl eingerechnet hatte.
  • Das Bauprojekt soll 2019 betriebsfertig sein.

Von Dietrich Mittler

Manchmal können Tippfehler ganz schön teuer werden - so wie im Dezember 2005 an der Börse von Tokio, als ein Händler Preis und Stückzahl vertauschte, was das betroffene Wertpapierhaus letztlich knapp 300 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen kostete. Es geht aber auch billiger, und das beweist der aktuelle Fall Landshut. Dort hat der niederbayerische Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich nun am Donnerstag im Landshuter Stadtteil Schönbrunn den ersten Spatenstich für den Neubau der Sozialverwaltung vollzogen. Bedeutet so viel wie: Schwamm drüber, dass einem Architekturbüro bei der Kostenkalkulation ein blöder Fehler unterlaufen ist.

"In einer Position wurden 75 Tonnen anstelle von 750 Tonnen eingegeben", heißt es im Protokoll der Bezirksausschuss-Sitzung vom 27. Juni, und die Rede ist konkret von Baustahl. Auch das steht fest: Es wird sehr viel Stahl verbaut werden müssen, wie eine neuerliche Rechnung ergab. Am Ende also 775 Tonnen. Durch den Fehler entstünden Mehrkosten in Höhe von 786 411 Euro. Insgesamt werde das neue Gebäude damit etwas mehr als 19 Millionen Euro kosten.

"Die ermittelte Menge an Betonstahl ist zur Errichtung des Gebäudes dringend erforderlich", hatten die Mitglieder des Bezirkstags von Niederbayern im Sitzungssaal des Bezirksklinikums Mainkofen zur Kenntnis nehmen müssen. Und es führt ja kein Weg daran vorbei, das neue Verwaltungsgebäude wird dringend gebraucht. So hieß es schließlich: Die Mehrkosten "für die Massenmehrung beim Betonstahl werden genehmigt".

Am Donnerstag griffen jetzt zehn Persönlichkeiten überwiegend lächelnd zum Spaten - in der Mitte Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich. Der rühmt das Bauprojekt, das Ende des Jahres 2019 betriebsfertig sein soll, als ein ausgesprochen effizientes. Es wird nicht nur für die angesichts der vielen Aufgaben wachsende Sozialverwaltung attraktive Büroarbeitsplätze schaffen - gut 200 an der Zahl. Das Gebäude werde auch durch "eine hohe Energieeffizienz" hervorstechen, sagte Heinrich. So sind beispielsweise die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach im dritten Obergeschoss sowie die Beheizung des Gebäudes über eine Grundwasserwärmepumpe geplant.

Und, der Clou: Das Gebäude soll problemlos um ein weiteres Stockwerk in die Höhe wachsen können, wenn angesichts der sich beachtlich entwickelnden sozialen Aufgaben - etwa im Bereich der Hilfen zur ambulanten Pflege - noch mehr Mitarbeiter unterkommen müssen. Die bisherige Entwicklung spricht jedenfalls dafür. 2009 etwa kam die Sozialverwaltung für den Bezirk Niederbayern noch mit 105 Mitarbeitern aus, mittlerweile sind es etwa 155, wie Heinrich sagte.

Im Frühsommer 2018 sollen nach bisheriger Planung die Roharbeiten an dem riegelförmigen Gebäude beendet sein, Bruttogrundfläche insgesamt 7300 Quadratmeter - umringt von viel Glas, das Licht ins Haus lassen soll. Finanziert, und darauf ist Olaf Heinrich stolz, wird der Neubau überwiegend aus Eigenmitteln des Bezirks Niederbayern. "Ohne staatliche Zuwendungen", wie der Bezirkstagspräsident hervorhob.

Das bisherige Gebäude der Sozialverwaltung, das an das Gelände der Hochschule Landshut angrenzt, soll an diese vermietet werden - auch die braucht mehr Raum. Angesichts all dieser Vorteile noch den Lapsus mit dem Baustahl zu rügen, wäre kleinlich gewesen. Mancher stößt sich zwar heute noch an Rechenfehlern im Alten Testament. Im Buch Josua etwa würden an einer Stelle 34 Städte aufgezählt, und dann aber "behauptet, dass es 29 seien", wie im Internet nachzulesen ist. Dagegen ist der Fall Landshut wahrhaftig ein Klacks.

© SZ vom 04.08.2017/axi
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