Landshut:Sorge um das alte Glump

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Das Denkmalnetz Bayern diskutiert auf seinem Jahrestreffen, wie man künftig mit den Altstädten umgehen soll. Immer mehr Vereine kümmern sich um deren Erhalt

Von Hans Kratzer, Landshut

Es klingt unglaublich, aber tatsächlich sind in Deutschland nach dem Krieg weitaus mehr historische Gebäude zerstört worden als unter dem jahrelangen Bombenhagel. In der Dynamik des Wiederaufbaus war das öffentliche Denken beherrscht von der Vision der autogerechten Stadt und von dem Glauben, jedes "alte Glump" müsse jetzt einem Neubau weichen. Erst das Denkmalschutzgesetz von 1973 leitete zumindest in Bayern eine Besinnungsphase ein. Aber mittlerweile stehen alte Gebäude und Denkmäler wieder voll im Weg. Den Investoren schweben nämlich ganz andere Stadtbilder vor als den Denkmalschützern. Neben staatlichen Behörden wie dem Landesamt für Denkmalpflege und Institutionen wie dem Landesdenkmalrat gibt es freilich auch eine Reihe von Vereinen und Privatpersonen, die dem Dahinschwinden der historischen Bausubstanz nicht tatenlos zusehen wollen. Dazu gehört nicht zuletzt das im Januar 2012 gegründete Denkmalnetz Bayern, in dem sich bayerische Bürgerinitiativen und Vereine zusammengeschlossen haben, die sich allesamt ehrenamtlich für den Denkmalschutz einsetzen.

Das Jahrestreffen des Denkmalnetzes Bayern steht an diesem Samstag unter dem Motto "Investition Altstadt", ein zurzeit heftig umstrittenes Thema. Dass das Treffen in Landshut stattfindet, unterstreicht dessen Brisanz. Denn dort wird heftig über den Erhalt des historischen Gebäudes Moserbräu in der Altstadt debattiert. Dem Ausgang dieses Streits wird mittlerweile eine Signalwirkung für den Denkmalschutz in ganz Bayern zugemessen. Die Kernfragen des Treffens werden lauten: "Wie gehen wir in Zeiten der Renaissance städtischer Zentren und des Immobilienbooms mit den Altstädten um? Und wie ist die Gratwanderung zwischen dem Erhalt der historischen Aura und der notwendigen Modernisierung zu schaffen?"

Landshut: Die Stadt Leutershausen ließ im Jahr 2014 ein denkmalgeschütztes Stadthaus, das bis ins 14. Jahrhundert zurückreichte, dem Erdboden gleichmachen.

Die Stadt Leutershausen ließ im Jahr 2014 ein denkmalgeschütztes Stadthaus, das bis ins 14. Jahrhundert zurückreichte, dem Erdboden gleichmachen.

(Foto: Denkmalnetz Bayern)

Diese Probleme bewegen nicht nur die Landshuter. Das Denkmalnetz Bayern listet eine lange Reihe von gefährdeten Objekten auf, die prägende Wirkung für die jeweiligen Orte und letztlich für das ganze Land haben. Zahlreiche Gebäude sind in Gefahr, sei es eines der ältesten Bürgerhäuser Bayerns in Donauwörth, sei es das Heinrich-Mann-Haus in München-Schwabing, das alte Zeitungshaus in Weilheim oder gar ein ganzes Stadtensemble wie in Pfaffenhofen. Auf dem dortigen Hauptplatz sind viele verschiedene Baustile vertreten, von Gotik über Barock bis hin zu Historismus und Jugendstil. Da aber Einzeldenkmäler wie das frühere Café Herb aus der Denkmalliste gelöscht werden, könnte der Ensembleschutz entzogen werden, befürchtet das Denkmalnetz. Überdies werfen Sanierungsprojekte von Großinvestoren die Frage nach dem richtigen Umgang mit überlieferter Substanz auf - etwa bei der Alten Akademie in München.

Lang wie eine Litanei ist die Liste der bereits zerstörten Bauwerke. Auf ihr stehen etwa der denkmalgeschützte Festsaal des ehemaligen Parkhotels in Fürth und das alte Käferhaus in Leutershausen (Landkreis Ansbach), mit dem eine 500-jährige Geschichte dem Erdboden gleichgemacht wurde. Um solche überstürzten Aktionen künftig zu verhindern, will das Denkmalnetz am Samstag "15 Punkte für eine bessere Denkmalpflege in Bayern" vorstellen. Dazu gehört auch der Vorschlag, Denkmalschutz und Architektur besser in den schulischen Lehrplänen zu verankern.

Landshut: Die historische Tür gehört zu einem ortsprägenden Verlagshaus in Weilheim, das abgerissen werden soll.

Die historische Tür gehört zu einem ortsprägenden Verlagshaus in Weilheim, das abgerissen werden soll.

(Foto: Denkmalnetz Bayern)

Jedermann ist beim Jahrestreffen willkommen, bei dem unter anderem Alexander Putz, der designierte Oberbürgermeister der Stadt Landshut, über Fragen der Landshuter Stadtentwicklung mitdiskutieren wird. Achim Schröer, der Sprecher des Denkmalnetzes, hat jedenfalls seinen Optimismus nicht verloren. "Wir stellen fest, dass sich immer mehr Bürger und Initiativen, wie etwa die Altstadtfreunde in Landshut oder in Nürnberg, nachhaltig für die Baukultur ihrer Städte einsetzen."

Jahrestreffen Denkmalnetz Bayern, Samstag, 29. Oktober, im Gebäude der Lebenshilfe Landshut e.V., Spiegelgasse 207, Landshut, 9-17.30 Uhr.

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