Landgericht Traunstein Geständnis nach Raubmord

  • Der ehemalige Justizvollzugsbeamte Josef O. hat gestanden, seinen Hausarzt und dessen Frau umgebracht zu haben.
  • Das Gericht sieht Geldsorgen als eigentlichen Grund für die Tat. Der Angeklagte nennt dagegen psychische Probleme.
  • Er musste sich wegen doppelten Mordes, räuberischer Erpressung und weiterer Straftaten vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
Von Heiner Effern, Traunstein

Der frühere Justizvollzugsbeamte Josef O. hat vor dem Landgericht Traunstein gestanden, seinen langjährigen Hausarzt Hans R. und dessen Gattin überfallen und getötet zu haben. Als die beiden ihn am Pfingstmontag 2014 bei einem Einbruch in deren Ferienhaus in Aschau überraschten, erschlug er die 65 Jahre alte Frau mit einem mitgebrachten Dachgepäckträger und erstach den 90 Jahre alten Mann mit einem ebenfalls mitgeführten Küchenmesser. Die Leichen versteckte er im Wald, auf dem Küchentisch hinterließ er ein Erpresserschreiben, mit dem er eine Entführung vortäuschen wollte. Des weiteren räumte der 58 Jahre alte Angeklagte einen schon vorher verübten Raubüberfall in Brannenburg ein.

Angeklagt ist O. des doppelten Mordes, besonders schweren Raubes, schwerer räuberischer Erpressung und weiterer Straftaten. Als er nach vier Stunden Vernehmung am ersten Prozesstag die ihm vorgeworfenen Taten gesteht, spricht er so leise, dass seine Worte kaum zu hören sind. Doch die fehlende Lautstärke ist nicht der Grund, warum die Richter immer wieder verständnislos dreinblicken. Josef O.s Schilderungen sind kompliziert, oft verwirrend. Insbesondere wenn es um sein Motiv geht. Nicht nur einmal äußern die Richter Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen.

"Irgendwann hat es kein Halten mehr gegeben"

Josef O. beschreibt sich selbst als einen depressiven, labilen Menschen, der am Ende von der Justiz verfolgt und von Verwandten gehasst wurde. Als einen Getriebenen, der keinen anderen Weg als einen tödlichen Überfall mehr fand, um seinen psychischen Druck abzubauen. "Irgendwann hat es kein Halten mehr gegeben", sagt er. Es tue ihm leid. Er habe nichts mehr steuern können. Schon im Jahr 1976 habe er sich mit Schlaftabletten erstmals selbst töten wollen, sagt er aus. Immer wieder habe er unter Depressionen gelitten, weshalb er auch im Jahr 1993 krankheitsbedingt aus dem Vollzugsdienst ausgeschieden sei.

Da war er bereits verheiratet, zwei Kinder entstammen der Ehe. Doch der Mensch, der ihn offensichtlich am meisten bewegt, ist seine Mutter. Sie ist dement, kann nicht mehr sprechen und stand anfangs unter seiner Betreuung. Doch diese wurde ihm gerichtlich entzogen, aus Sicht von Josef O. aufgrund eine Intrige von neidischen Verwandten und einer rücksichtslosen Justiz. "Die haben mein Leben ruiniert. Ihr seid doch alle wahnsinnig", brüllt er laut auf, als es darum geht, warum er seine Mutter nicht mehr betreuen darf.

Der Angeklagte Josef O. wird mit Fußfesseln ins Landgericht Traunstein geführt.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Der ausschlaggebende Faktor: Geld

Am Rande mag das an Schwierigkeiten bei der Pflege gelegen haben, zeitweise versorgten Josef O. und seine Familie die Frau in ihrem Haus im Inntal. Doch ausschlaggebend war ein Faktor, der den ganzen Vormittag immer wieder als Motiv allen Handelns durchscheint: Geld. Viel Geld. Josef O.s Mutter erhielt eine ordentliche Leibrente, die sie direkt an den Sohn weiterreichte. Sie besaß Anfang 2000 noch drei Häuser, 2010 keines mehr. Dafür hatte sie im Inntal zwei Doppelhaushälften gekauft, von denen sie laut Angeklagtem eine ihrer Schwiegertochter und eine ihrem Sohn überschrieb. Das Darlehen dafür habe er bar zurückbezahlt, sagt Josef O. Nach 20 Jahren Spekulieren an der Börse habe er eine Million Euro auf dem Konto gehabt.

Doch schon wenige Jahre danach hatte Josef O. 350 000 Euro Schulden, obwohl er ein Familieneinkommen von etwa 7000 Euro vorrechnet. Vom letzten Hausverkauf seiner Mutter erhielt er 40 000 Euro. Wo 70 000 weitere geblieben sind, konnte oder wollte Josef O. nicht angeben. Er ging in der Folge Bekannte um Geld an, sogar eine Mieterin. Der Rechtsanwalt, der seine Mutter betreut, bezweifelt offensichtlich, dass Liebe das einzige Motiv war, warum Josef O. seiner Mutter so nahestand. Er forderte im Mai 2014 exakt 272 000 Euro vom Sohn zurück. "Wo ist das Geld, wo fließt das hin", will Richter Johannes Kammergruber wissen. "Das fragt sich jeder, der die Akten liest." Im Raum bleibt stehen, dass die Richter das Motiv für den Überfall mit zwei Toten viel deutlicher im finanziellen als im psychischen Bereich sehen. Auffällig sei, wie "zielgerichtet, orientiert und clever" der Angeklagte vorgegangen sei, sagt etwa der Vorsitzende Erich Richter Fuchs.

Ein finanzielles Motiv streitet O. jedoch kategorisch ab. Im Mai habe er das Schreiben des Betreuers seiner Mutter mit den Forderungen erhalten, das habe "das Fass zum Überlaufen gebracht". Am 8. Juni stand er schon einmal vor dem Ferienhaus, am 9. Juni stieg er ein. Das Ehepaar überraschte ihn. Er forderte die EC-Karte und die Pin. Die Frau wehrte sich anschließend, da habe er "Panik bekommen", sagt der Angeklagte. Auf ähnliche Beute hatte es O. auch bei einem Überfall Ende 2013 abgesehen, als er zwei Frauen maskiert mit gezücktem Messer an deren Haustür bedrohte. Doch die EC-Karte aus diesem Überfall war schnell gesperrt. Nach dem zweiten Raub wurde ihm seine Beute zum Verhängnis. Josef O. schickte einen Trinker aus der Rosenheimer Bahnhofsszene zum Abheben an den Bankomaten, doch der wurde erwischt. Bei einer weiteren, fingierten Übergabe wurde Josef O. festgenommen. Fünf Prozesstage sind angesetzt, das Urteil wird am 5. März erwartet.