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Kunstaktion in Dießen:100-Euro-Schein für zehn Euro

Was ist Kunst wert? Was Geld und was Ruhm? Axel Wagner verkauft bei einer Ausstellung in Dießen einen 100-Euro-Schein für zehn Euro. Er will so den Kunstmarkt hinterfragen.

Axel Wagner: Großzügig oder ausgefuchster Künstler?

(Foto: privat)

Was ist Kunst wert? Was ist Geld wert? Was ist Ruhm wert? Diesen Fragen geht der Künstler und Psychotherapeut Axel Wagner in einer ungewöhnlichen Aktion nach. Er hat drei 100-Euro-Scheine in je drei Rahmen gesetzt und signiert. Nun will er sie in einer Ausstellung ("Das kleine Format", Eröffnung Freitag, 19. Oktober, 19 Uhr - bis 18. November im Kulturforum Dießen) als Kunstobjekte verkaufen - zu zehn, 100 und 400 Euro.

SZ: Herr Wagner, was bedeutet Ihnen Geld?

Axel Wagner: Geld ist für einen Künstler eine wichtige Lebensgrundlage. Ich brauche Geld für Material, um Kunst herzustellen.

Auch ,,Miete, Strom, Gas'' wollen bezahlt sein, darauf hat Martin Kippenberger schon vor Jahren in einer großen Ausstellung aufmerksam gemacht.

Ich sag' immer: Erst kommen Brot und Wasser, dann kommt die Ölfarbe. Dabei geht es viel weniger um Farbe als früher. Kunst, wie sie heute nachgefragt wird, ist oft kostspielig. Installationen, Objekte oder Videoarbeiten sind in der Umsetzung teuer.

Wären Sie gerne richtig reich?

Na ja, Geld verschafft künstlerische Freiheit. Ich bin heute weniger abhängig als früher, und ich fühle mich glücklich, dass ich für diese Aktion, 100-Euro-Scheine nehmen kann und nicht 10-Euro nehmen muss.

Insgesamt betrachtet, kommen Sie mit Ihren 100-Euro-Bildern noch relativ günstig weg. Ist es denn nicht verboten, Geldscheine zweckentfremdet zu verwenden?

Mit dieser Frage möchte ich mich gar nicht beschäftigen. Ob das verboten ist oder nicht, darin liegt für mich kein Reiz. Es geht mir nicht um Provokation.

Geld zu thematisieren und auszustellen hat aber etwas Verstörendes.

Ja, selbst für mich als Künstler. Geld neben Kunst auszustellen, das ist beinahe frevelhaft. Es geht ja um ein in Kunstkreisen weitgehend tabuisiertes Thema.

Sie wollen aber, dass darüber gesprochen wird.

Ich möchte, dass der Betrachter den Kunstmarkt und den eigenen Part darin hinterfragt. Dabei verdamme ich den Kunstmarkt nicht grundsätzlich, ich selbst bin ja Teil von ihm, sobald ich ausstelle. Man sollte aber nachdenken, warum man ein Bild kauft. Ob es einem gefällt, ob man es nur erwirbt, weil es einen Mehrwert hat, oder weil es von einem berühmten Künstler stammt.

Oder weil es einen Mehrwert hat wie der 100-Euro-Schein zu nur zehn Euro.

Genau. Ich bin schon neugierig auf den Käufer. Ich gebe übrigens von den zehn Euro 25 Prozent an die Kuratorin der Ausstellung, so wie das üblich ist. Einzige Bedingung: Der Käufer muss seine Adresse hinterlassen.

Vielleicht traut sich ja gar niemand, das Werk zu kaufen.

Ich hoffe, die Leute haben genug Selbstbewusstsein. Vielleicht schnappt sich jemand den Schein zu zehn Euro, der das Geld wirklich brauchen kann. Ich möchte gerne wissen, wo der landet und würde gerne erfahren, was die Motivation des Käufers ist.

© SZ vom 18.10.2012/dayk
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