bedeckt München 18°

Kreidl-Affäre:Aigners Desaster

Nach dem Kreidl-Rückzug: Die oberbayerische Bezirkschefin Ilse Aigner trägt eine Mitschuld an dem Desaster.

Nach dem Kreidl-Rückzug: Die oberbayerische Bezirkschefin Ilse Aigner trägt eine Mitschuld an dem Desaster.

(Foto: dpa)

Jakob Kreidl ist vom CSU-Chef zum Verzicht auf die Landratskandidatur gedrängt worden. Jetzt steht die Partei vor der Kommunalwahl mit einem Kandidaten da, den sie selbst für unwählbar hält. Schuld an dem Desaster tragen auch Seehofer und seine Vize Aigner.

Ein Kommentar von Sebastian Beck

Genau zwei Wochen ist es her, dass der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer den Fall Kreidl noch als "örtliche Angelegenheit" abtat. Jetzt ist das Miesbacher Bauerntheater plötzlich Chefsache und laut Seehofer "nicht mehr eine persönliche oder lokale Angelegenheit". An der Faktenlage hat sich seitdem wenig geändert, wohl aber am Bekanntheitsgrad Kreidls, der deutschlandweit inzwischen als Vertreter der "alten" Filz-CSU Karriere gemacht hat. Auf Seehofers Geheiß hin wurde Parteifreund Kreidl deshalb zu einer bizarren Verzichtserklärung gedrängt. Das wirft ein denkbar schlechtes Licht auf das Krisenmanagement in der CSU und insbesondere auf die oberbayerische Bezirksvorsitzende Ilse Aigner.

Als vor knapp einem Jahr die Plagiatsvorwürfe gegen Jakob Kreidl aufkamen, musste man nicht unbedingt Kartenleger sein, um vorherzusagen, dass dies das politische Ende des Landrats bedeuten würde. Im Mai erhielt er bei der Wiederwahl zum CSU-Kreisvorsitzenden gerade einmal 76,7 Prozent der Stimmen, ein schlechtes Ergebnis für CSU-Verhältnisse, zudem kam heraus, das er seine Frau 14 Jahre lang auf Staatskosten beschäftigt hatte.

Das wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, um Kreidl klar zu sagen: Danke, Jack, es reicht. Statt dessen nominierte ihn die Partei weniger späterabermals als Landratskandidat, eine politische Dummheit, die weder CSU-Bezirksvorsitzende Aigner noch Parteichef Seehofer verhindern wollten. Auch die letzte Möglichkeit, den störrischen Kreidl zum Aufgeben zu zwingen, ließ die Parteispitze zu Jahresanfang verstreichen.

Jetzt steht die CSU mitten in Oberbayern vor der Kommunalwahl mit einem Kandidaten da, den sie selbst für unwählbar erklären musste. Das ist einzigartig und sollte eigentlich patentrechtlich geschützt werden. Für Kreidl ist die Sache weniger lustig. In seiner Haut möchte man nicht stecken. Vor einem Jahr war er noch der hochgeehrte Herr Doktor mit politischer Ewigkeitsgarantie. Jetzt ist er ganz unten angelangt und das Ziel von Spott und Feindseligkeiten. Er hätte sich all das selbst ersparen können. Doch auch Seehofer und Aigner tragen Schuld an dem Desaster, das die Wahl für die CSU nun bringen wird.

© SZ vom 26.02.2014/bica
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema