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Kostenexplosion befürchtet:Streit um nordische WM

Künstlich produzierter Schnee für Vierschanzentournee

Die Oberstdorfer Schanzen sind oft Schauplatz für Wettkämpfe, auch ohne echten Schnee.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Oberstdorf uneins über Ausbau seiner Skistadien

Das war eine Freude, als Oberstdorf im Juni 2016 den Zuschlag für die Austragung der nordischen Ski-WM 2021 erhalten hat. Viermal hatte sich der Oberallgäuer Wintersportort für das Großereignis beworben. Jedesmal gab ihm der internationale Skiverband FIS einen Korb. Im fünften Anlauf klappte es überraschend klar. Schon im ersten Wahlgang lag Oberstdorf weit vor seinen Mitbewerbern. Größter Trumpf war, so hieß es, dass bereits alle Sportstätten vorhanden sind. Schließlich wurde schon 2005 eine nordische Ski-WM in Oberstdorf ausgetragen. Das Skisprung-Stadion unter dem Schattenberg und das Langlaufstadion Ried stammen aus der Zeit und müssten für die WM 2021 nur aufgehübscht werden.

Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Denn im Oberstdorfer Gemeinderat sind sie sich nach wie vor nicht einig, welche Um- und Ausbauten ihrer Sportstätten sie tatsächlich für die Ski-WM wollen. Dabei wird die Zeit knapp. Zum einen müssen die Anlagen schon 2020 für die sogenannte Vor-WM fertig sein und nicht erst für die tatsächliche Weltmeisterschaft im Jahr darauf. Es bleiben also nur noch etwa zweieinhalb Jahre Zeit. Zum anderen wollen die Gemeinde und der Landkreis Oberallgäu, dass Bund und Freistaat bis zu 80 Prozent der Um- und Ausbaukosten übernehmen. Schließlich zählt Oberstdorf mit seinen etwa 50 Millionen Euro Schulden zu den am meisten verschuldeten Kommunen in Bayern. Allererste Voraussetzung für hohe Zuschüsse von Bund und Land ist aber, dass Oberstdorf ein Bauprogramm vorlegt und die Investitionskosten beziffert.

Bisher gehen die Vorstellungen aber weit auseinander. Etliche Gemeinderäte beharren auf einer möglichst kostengünstigen Modernisierung der beiden Sportstadien. "Informell war im Dunstkreis der Bewerbung immer von höchstens zehn Millionen Euro für die Anpassung des Langlauf- und des Skisprungstadions an die aktuellen WM-Standards die Rede", sagt Siegmund Rohrmoser, der für die Grünen dem Gemeinderat angehört und Oberstdorfer Umweltreferent ist. Dabei solle es bleiben. Auf keinen Fall wolle man viele Millionen Euro in teure neue Gebäude und andere Infrastruktur investieren, die nach der WM die meiste Zeit ungenutzt herumstehen und hohen Unterhalt verschlingen. Die WM müsse "überwiegend mit temporären Einrichtungen zurechtzukommen", heißt es auch in einem offenen Brief von zwei anderen Gemeinderäten an den Oberstdorfer Bürgermeister Laurent Mies (Freie Wähler), der derzeit in der Gemeinde kursiert.

Auf der anderen Seite sind zwei Bauprogramme samt Kostenschätzungen in Umlauf, die angeblich beide unter Mitwirkung des Landkreises erstellt wurden. Das ältere stammt aus dem April und hat ein Volumen von 49,4 Millionen Euro. Das andere, etwas abgespeckte, datiert von Juli 2017, sein Volumen beträgt etwa 38,5 Millionen Euro. In dem einen Bauprogramm ist unter anderem ein neues Gebäude für zwölf Millionen Euro inmitten des Skilanglaufstadions Ried enthalten. "Dabei haben wir dort von der WM 2005 noch das Funktionsgebäude, das noch dazu sehr geschickt am Nordrand der Anlage positioniert ist", sagt der Grünen-Lokalpolitiker Rohrmoser. "Der Neubau macht keinen Sinn."

Im Oberstdorfer Rathaus gibt man sich sehr bedeckt. Bürgermeister Mies stand trotz mehrmaliger Anfrage auch am Dienstag nicht für ein Telefonat zur Verfügung. Auch sein Stellvertreter Friedrich Sehrwind (CSU) will sich nicht näher einlassen. Natürlich wolle man möglichst mit den bereits vorhandenen Sportstätten auskommen, sagt der Zweite Bürgermeister. Klar sei aber auch, dass sie modernisiert und den aktuellen WM-Standards angepasst werden müssten. Zu den kursierenden Bauprogrammen und Kostenschätzungen will sich Sehrwind nicht äußern. Es handle sich allenfalls um allererste Schätzungen. Entscheidungen seien nicht gefallen. Demnächst werde sich der Gemeinderat erneut mit dem Bauprogramm und den Kosten für die WM 2021 befassen.

Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) betrachtet das Hin und Her inzwischen mit so großer Sorge, dass er einen Brandbrief an Bürgermeister Mies geschrieben hat. Darin beklagt er, dass in Oberstdorf "die politischen Vorstellungen, welche Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der anstehenden WM (...) umgesetzt werden sollen, alles andere als erkennbar sind". Bund und Freistaat erwarteten aber bis Ende September klare Aussagen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sie für 2018 keine Förderung bereitstellen können. Dabei, so schreibt Klotz, sei die WM 2021 doch eine Chance für Oberstdorf und das Oberallgäu. Die Bilder, die von dort in die Welt gehen, sollten Lust auf die Region machen.