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Kommunalwahl:So hat Bayern gewählt

In großen Städten fährt die CSU Niederlagen ein. Die Grünen erobern zwei Landkreise. Und in Schongau scheitert ein 27-Jähriger, der durch ein Facebook-Saufspiel bekannt wurde, nur um wenige Stimmen. Die Gewinner und Verlierer der Kommunalwahl in Bayern. Mit interaktiver Karte.

  • Premiere für die Grünen in Bayern: Gleich zwei Landräte hat die Partei jetzt. Nach der erwarteten rücktrittsbedingten Wahlschlappe des Affären-Landrats Jakob Kreidl (CSU) hat sich in der Stichwahl Wolfgang Rzehak im Kreis Miesbach mit 53,46 Prozent durchgesetzt. Norbert Kerkel von den Freien Wählern musste sich mit 46,54 Prozent geschlagen geben.
  • Der zweite Grünen-Kandidat hat es im unterfränkischen Kreis Miltenberg geschafft: Jens Marco Scherf ist für ein Bündnis aus SPD, Grünen und ÖDP angetreten - und hat mit einem halben Prozentpunkt gewonnen. Die Bewohner der Stadt Miltenberg haben übrigens auch eine - zumindest für Bayern - eher ungewöhnliche Wahl getroffen: FDP-Politiker Helmut Demel ist der neue Bürgermeister.
  • In Schwaigen hat Überraschungskandidat Hubert Mangold das Rennen gemacht, mit 64 Prozent. Bis vor zwei Wochen wollte der 49-Jährige gar nicht Bürgermeister werden. Aber der amtierende Rathauschef Karl Schwarzenberger verpasste im ersten Durchgang eine Mehrheit - obwohl er als einziger Kandiat zur Wahl stand.
  • In Erlangen hat SPD-Kandidat Florian Janik einen klaren Wahlsieg erzielt. Der 34-jährige Sozialdemokrat lag mit 63,7 Prozent der Stimmen vorn. Dieses Ergebnis dürfte ein ziemlicher Schock für den langjährigen Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) gewesen sein. Dieser kam bei der Stichwahl auf nur 36,3 Prozent - nach 18 Jahren als OB eine sehr bittere Niederlage.
  • Durch ein Facebook-Saufspiel ist Tobias Kalbitzer alias "Karl-Heinz Rumgedisse" aus dem oberbayerischen Schongau bekannt geworden. Dass der Bürgermeisterkandidat der Alternativen Liste es überhaupt in die Stichwahl geschafft hat, hat viele überrascht. Zum Bürgermeister hat es der 27-Jährige knapp nicht geschafft - er bekam 49,7 Prozent der Stimmen. Neuer Bürgermeister ist Falk Sluyterman (SPD), der 50,3 Prozent holte.
  • Im niederbayerischen Wurmannsquick gab es ein ungewöhnliches Gleichgewicht. Ludwig Weinfurtner (LWG Rogglfing-Martinskirchen) und Georg Thurmeier (Bürgerliste Wurmannsquick) holten im ersten Durchgang beide genau 31,3 Prozent der Stimmen. Das Los entschied dann, wer zur Stichwahl antreten durfte: Georg Thurmeier zog gegen CSU-Kandidatin Renate Mooser ins Rennen - und gewann mit 53,4 Prozent.
  • In Würzburg wurde Stadtkämmerer Christian Schuchardt, gemeinsamer Kandidat von CSU, FDP und WL-FW, mit 55,73 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt. Der rot-grüne Bewerber Muchtar Al Ghusain kam laut vorläufigem Ergebnis auf 44,27 Prozent. Den Sieg hatte Schuchardt schon im ersten Wahlgang nur knapp verpasst.
  • In Regensburg gewann SPD-Kandidat Joachim Wolbergs haushoch - mit 70,2 Prozent. Vor zwei Wochen hatten ihm nur 18 Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt. Die örtliche CSU ist seit Jahren zerstritten, der bisherige CSU-OB Hans Schaidinger hatte wie Ude die Altersgrenze überschritten.
  • Tanja Schweiger von den Freien Wählern ist die neue Landrätin im Kreis Regensburg. Die Lebensgefährtin des FW-Chefs Hubert Aiwanger setzte sich überraschend deutlich gegen CSU-Kandidat Peter Aumer durch. Die 35-jährige Schweiger erhielt 60,9 Prozent, Aumer lediglich 39,1. Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatten sich beide ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.
  • In Ansbach ist die parteilose Oberbürgermeisterin Carda Seidel mit 60,01 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden.
  • In Kitzingen darf der aktuelle Oberbürgermeister seinen Posten ebenfalls behalten: Siegfried Müller von der Unabhängigen sozialen Wählergruppe.
  • Im schwäbischen Neu-Ulm hat Amtsinhaber Gerold Noerenberg (CSU) die Oberbürgermeister-Stichwahl für sich entschieden.
  • Der Landkreis Hof wird erstmals nach dem Krieg von einem CSU-Mann regiert. Oliver Bär schlug seinen Gegenkandidaten Alexander Eberl von der SPD mit 52 Prozent knapp. Der 37-jährige Bär, bislang Anwalt in München, ist der Ehemann von Dorothee Bär, die seit Dezember Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium ist.
  • In Weiding im Landkreis Schwandorf war die Lage vor der Kommunalwahl skurril: Weil sich keine Kandidaten gefunden hatten, duften die Wähler beliebige Namen auf ihre Stimmzettel schreiben, dann wurde der Reihe nach gefragt, welche zwei Kandidaten zur Stichwahl antreten wollen. Einer der beiden war Gemeinderat Manfred Dirscherl, er hat nun mit 63,04 Prozent gewonnen.
© Süddeutsche.de/amm/infu/afis
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