Ettal: Untersuchungsbericht Kitzelattacken in der Unterhose

So bleibt das Misstrauen der Internatsschüler von einst. Wie viele Opferberichte hat das Kloster nicht weitergeleitet? Erst jetzt ist eine Mail aufgetaucht, die, im Februar 2010 geschrieben, einen der nach Wechselburg abgeschobenen Patres belastet; dem Opferverein liegen zwei Berichte vor, die von nächtlichen Zweiergesprächen berichten, von Rotwein und "Kitzelattacken" in der Unterhose.

Wie viele Patres und Brüder tragen den Aufklärungskurs mit, zu dem sich Abt Bögle und sein Stellvertreter Kraß durchgerungen haben? Es gibt schonungslos selbstkritische Interviews von Kraß - Insider sagen aber auch, dass längst nicht alle Ettaler Mönche hinter diesem Kurs stehen und wünschen, dass das Kloster hart gegen Kritiker vorgeht. "Als würden wir dem Ruf des Klosters schaden", sagt Robert Köhler, "dabei helfen wir ihm - ehrenamtlich."

5000 Euro also wird das Kloster wohl anbieten. Ja, das ist besser als nichts, sagen die Männer, sie wollen konstruktiv sein. Aber, so sagt Roman Hofer, "um den wirklichen Schaden zu heilen, bräuchte ich viel mehr." Dafür, dass sein erstes sexuelles Erlebnis der Samenerguss eines Paters auf seinem Rücken war. Für die Zusammenbrüche, dafür, dass er das Studium hinwarf, weil er zwei Jahre lang nicht mehr aus seinem Zimmer kam.

"Was können wir Ihnen Gutes tun?" hat der Abt gefragt, als er seine Geschichte erzählte, und Hofer war sehr gerührt, als sie ihm den Urlaub finanzierten, für den er seit Jahren weder Zeit noch Geld hat. Doch als das Schreiben kam, dass ihm die Kosten von einer möglichen Entschädigung abgezogen würden, wäre er am liebsten daheimgeblieben.

"Das möchte man nicht mit den Eltern erörtern"

So wird er bleiben, der Graben. Zwischen dem Kloster, das - aus seiner Perspektive gesehen - schmerzhaft Buße tut. Und den Kindern von einst, die das nicht versöhnen wird. Auf zehn DIN-A4-Seiten hat Robert Köhler seine Schulerinnerungen aufgeschrieben, "jeden Morgen Messe, stumpfe Lernzeiten, Gehorsam, Bestrafung, Disziplin, Drill."

Pater G. mit dem Ford Capri, der die Kinder schlägt und auf Wanderungen mit Brennnesseln antreibt, der übergreifende Pater M. "Vertrauenspersonen gibt es nicht, Mädels auch nicht. Die Jungs erkunden sich untereinander, die machen dasselbe, was der Herr Pater auch macht. Das möchte man nicht unbedingt mit den Eltern erörtern." Lange habe er gedacht, er sei schwul, erzählt Köhler. Weil er ja nichts anderes kannte.

Erinnerungen, die 5000 Euro nicht ungeschehen machen können. So sehr die Ettaler sich das wünschen mögen.