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Klinikum Donauwörth:Arzt steckt Patienten an

Süchtiger Anästhesist soll Hepatitis C übertragen haben

Niemand geht in ein Krankenhaus, um krank zu werden. In der Donau-Ries Klinik aber haben sich bei Operationen mehr als 60 Menschen mit Hepatitis C infiziert. Wird die Viruserkrankung nicht rechtzeitig therapiert, können schwere Leberschäden auftreten. Als Überträger des Virus steht ein ehemaliger Narkosearzt der Klinik unter Verdacht. Der medikamentenabhängige und mit Hepatitis C infizierte Mann könnte zum Stillen seiner Sucht mit Betäubungsmitteln dieselben Spritzen verwendet haben, die dann auch bei der Narkotisierung von Patienten zum Einsatz kamen. Diesen Verdacht hat das Gesundheitsamt Donau-Ries, und diesem Verdacht gehen auch Kripo und Staatsanwaltschaft nach.

Seit sich der beschuldigte Anästhesist im Frühjahr 2018 selbst bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Donau-Ries Klinik, gemeldet und von seiner Infektion berichtet hat, finden Patienten keine Ruhe mehr. Das Gesundheitsamt hat fast 1700 ehemalige Patienten angeschrieben, die in den Jahren 2016 bis 2018 möglicherweise Kontakt mit dem Mediziner hatten. Sie wurden aufgerufen, sich auf das Virus testen zu lassen. Bei 60 Patienten bestätigte sich der Verdacht - es könnten aber noch mehr werden, weil noch nicht alle Rückmeldungen eingetroffen sind. 44 Blutproben von Infizierten hat das Robert-Koch-Institut inzwischen analysiert - bei allen wurde derselbe Virusstamm festgestellt. Laut Gesundheitsamt sei deshalb von einer einzigen Ansteckungsquelle auszugehen. Untersuchungen beim Klinikpersonal haben ergeben, dass niemand sonst infiziert war oder ist - abgesehen von dem beschuldigten Anästhesisten. Wie bei Informationsveranstaltungen für die ehemaligen Patienten deutlich wurde, beschäftigt sie aber weniger die Schuldfrage als ihre Gesundheit. Therapien gegen Hepatitis C sind mittlerweile wirksam. Die psychische Belastung für Betroffene aber ist enorm.