Klausurtagungen der CSU in Kreuth Unangefochten an der Spitze - aber einsam

Eigentlich will die CSU auf den Klausurtagungen in Kreuth Signale setzen für das Wahljahr. Zunächst muss sie allerdings nach Seehofers Schimpftiraden ihre interne Statik wiederherstellen. Rau ging es in der CSU schon immer zu, doch Seehofer ist die Härte.

Von Frank Müller und Mike Szymanski

In der CSU, die sich von diesem Montag an im oberbayerischen Wildbad Kreuth vor Bergkulisse versammelt, wirken die wilden Dezembertage noch nach. Eigentlich will die Partei Aufbruchstimmung signalisieren auf den beiden nacheinander stattfindenden Klausurtagungen der Bundestagsgruppe und der bayerischen Landtagsfraktion. Signale setzen für einen Langstreckenlauf mit insgesamt vier Wahlen bis zum Frühjahr 2014, die die vielleicht härtesten Prüfungen in der CSU-Geschichte markieren könnten.

Neben Bundestags- und Europawahl sind auch die bayerischen Kommunalwahlen zu bestehen - vor allem aber die Landtagswahl. Sollte Seehofer dabei die Macht in der bayerischen Heimat verlieren, wären die Folgen für die Partei unabsehbar, für ihn selbst dagegen ziemlich sicher: Seehofer wäre Geschichte. Ausgerechnet jetzt jedoch muss die CSU zunächst einmal ihre interne Statik wiederherstellen.

Auf einer Weihnachtsfeier, über die wohl noch die nächsten Jahre gesprochen werden wird, hatte Seehofer seiner Unzufriedenheit über zahlreiche Spitzenpolitiker der Partei freien Lauf gelassen. Das bekamen mehrere Mitglieder der Landesgruppe ab, mit denen Seehofer nun drei Tage in Kreuth zusammensitzt, darunter die beiden CSU-Minister Peter Ramsauer und Hans-Peter Friedrich.

Am härtesten aber traf es den bayerischen Finanzminister Markus Söder. Das zeigte: Es fehlt nicht an guten Umfragewerten - in Bayern kommt die CSU auf bis zu 49 Prozent. Ein Dreivierteljahr vor dem Wahltermin kann sie wieder von der Alleinregierung träumen. Was fehlt, ist Teamgeist.

"Pathologisch ehrgeizig"

Auf Parteitagen würdigt Seehofer sein Spitzenpersonal gerne mal mit übertrieben langen Dankesreden, die seine Worte fast schon wieder lächerlich erscheinen lassen. Seine Vorstandskollegen dachten, der notorische Einzelgänger Seehofer würde sich zumindest mit Blick auf die Wahlen um den Zusammenhalt in der Truppe bemühen. Von wegen.

In der Partei rätseln sie noch immer, was Seehofer bewogen haben könnte, seinen Finanzminister Markus Söder derart herunterzumachen. "Pathologisch ehrgeizig", sei Söder, charakterschwach, leiste sich zu viele "Schmutzeleien". Es mangelt nicht an Gerüchten in der CSU als Erklärungsversuche für diesen Ausfall, von dem Seehofer meint, er wäre notwendig gewesen. Unzufriedenheit mit Söders Bilanz als Finanzminister, Ärger über seine Art, schnell mal beleidigt zu sein nach dem Motto: So kann ich nicht arbeiten. Seine spitze Kritik an Seehofers Wende im Umgang mit dem Schuldensünder Griechenland, den Söder lieber längst aus der Euro-Zone geworfen hätte. "Es lebe der Euro!", hatte er sich lustig gemacht.

Unlängst dementieren ließ Söder diesen Vorgang: Er habe Gerüchte über die unverheiratete Ilse Aigner in die Welt gesetzt. Sind das die Schmutzeleien, die Seehofer meinte? Nun hat der Parteichef ihn jedenfalls mit wenigen, brutalen Worten aus dem Rennen für die Nachfolge genommen.

Es ging immer schon rau in der CSU zu, aber Seehofer ist die Härte. Zu Beginn des Schicksalswahljahrs für die CSU steht er zwar unangefochten an der Spitze - dort aber ziemlich einsam. Die Liste jener, die eine Rechnung mit ihm offen haben, ist lang. Söder kann nur noch gegen Seehofer in Bayern aufsteigen. Der Parteichef versucht zwar, das Thema als "erledigt" zu verkaufen. Aber dass Seehofers Führungsstil in den ansonsten an überraschenden Themen wohl eher armen Klausurtagen Hauptgesprächsstoff ist, davon kann man ausgehen.