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Kampf um Pfarrer:Konfrontationskurs zum Bistum

Vielleicht gehe es auch darum, die renitente Gemeinde zu disziplinieren, die bereits vor zwei Jahren aufbegehrte, mutmaßt Wolfram Hatz. Damals hatte Artinger bei der Wahl zum Dekan von Pocking zwar die meisten Stimmen erhalten, das Ordinariat jedoch einen anderen Priester vorgezogen. Hatz, ein örtlicher Unternehmer und seit 18 Jahren Mitglied in der Kirchenverwaltung, gründete die Protestbewegung "Besorgte Christen" und ging auf Konfrontationskurs zum Bistum.

Auch jetzt, sagt Hatz, werde sich Ruhstorf nicht mit der Abberufung abfinden, denn als nichts anderes sehen sie den Abschied des Pfarrers. Nach SZ-Informationen hatte Artinger die Wahl zwischen einem Rücktrittsgesuch und einem Amtsenthebungsverfahren. Der Priester möchte sich dazu nicht äußern, sagt nur: "Der Rückhalt der Pfarrgemeinde tut mir gut und trägt mich ein Stück weit."

Die Solidaritätsbekundungen begannen am vorvergangenen Dienstag, als sich sechs Mitglieder aus Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung beim Bischof für einen Verbleib ihres Pfarrers einsetzten. Schraml nahm sich zwar eineinhalb Stunden Zeit, in der Sache blieb er jedoch hart. Er habe den Eindruck, sagte Kirchenpfleger Michael Hisch hinterher, der Bischof habe "lieber fünf Leute in der Kirche, die seinen Weg gehen, als 200, die Artingers Weg folgen".

"Die Leute werden ihm nachfahren"

Dass sich das Ordinariat noch anders entscheiden wird, halten sie in Ruhstorf für ausgeschlossen, was nicht bedeutet, dass die Pfarrgemeinde klein beigeben wird. Einen offenen Brief an den Bischof, der für Artingers Bleiben wirbt, haben auch Bürgermeister und Schulleiter unterschrieben.

Im Ort prangt ein vier mal vier Meter großes Transparent, auf dem es heißt: "Wir beten für alle Schramls dieser Welt: Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Die Mitglieder der Kirchenverwaltung werden bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten. Selbst wenn Artinger künftig an der tschechischen Grenze eingesetzt werde: "Die Leute werden ihm nachfahren", sagt Hatz.

Im Gottesdienst am Sonntag erhoben sich die Menschen immer wieder zum Applaudieren, manche vergossen Tränen. Für den Schaden, den er angerichtet habe, wolle er sich ganz herzlich entschuldigen, sagte Artinger in seiner Resignation. Doch eines könne er für die fast 19 Jahre in Ruhstorf versichern: "Ich war mit Leid und Seele euer Pfarrer."

© SZ vom 27.06.2012/afis/rus

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