Industriedenkmal Augsburger Bahnpark bleibt erhalten

Im Rundhaus des Bahnparks Augsburg wird die technische und kulturelle Geschichte des Zugverkehrs in Europa erzählt. Die Pläne, den Bahnpark Augsburg zugunsten kommerzieller Investoren zu zerschlagen, sind vom Tisch.

(Foto: Markus Hehl/Bahnpark Augsburg)

Nach monatelangen Streitereien hat die Regierung von Oberbayern ein Nutzungskonzept genehmigt. Das Museum kann mit Einschränkungen fortgeführt werden

Von Christian Rost, Augsburg

Die Betreiber des Bahnparks in Augsburg haben gekämpft - und gewonnen. Das Eisenbahnmuseum wird nun doch nicht zerschlagen. Der Museumsbetrieb kann weitergeführt und es können in zwei Hallen auf dem Gelände ein Lokal und eine Veranstaltungsfläche betrieben werden. Damit ist eines der bedeutendsten Industriedenkmäler in Bayern gerettet und ein Plan vom Tisch, der für erheblichen Ärger gesorgt hatte.

Die Regierung von Oberbayern, bei der die Landeseisenbahnaufsicht angesiedelt ist, hat der gemeinnützigen Bahnpark GmbH nach monatelangem Zögern jetzt doch die Genehmigung erteilt, das Museum samt Gastronomie und Event-Location weiterzuführen. In der Vergangenheit hatte die Stadt Augsburg jeweils Einzelgenehmigungen für die Nutzung ausgestellt. Im vorigen Jahr jedoch wurde ein Gesamtkonzept von den Bahnpark-Betreibern gefordert. Die reichten ihre Unterlagen auch ein, doch wechselte unvermittelt die Zuständigkeit. Nicht mehr die Stadt Augsburg sollte nun über das Museum entscheiden, sondern die Regierung von Oberbayern, die ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren einleitete. Monatelang zog sich der Prozess hin, während dieser Zeit musste der Bahnpark geschlossen bleiben. Die GmbH konnte keine Einnahmen mehr erzielen und stand am Rande der Pleite. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits rund drei Millionen Euro in den Bahnpark investiert worden. Statt das Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und damit dem Museum wieder möglichst schnell zu Einnahmen zu verhelfen, präsentierte die Stadt Augsburg zunächst einen Plan, der die Bahnpark-Betreiber und ihre Unterstützer - immerhin 350 Mitglieder verschiedener Vereine - auf die Barrikaden trieb. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) hatte entschieden: "Der Bahnpark ist alleine nicht in der Lage, sich am Leben zu erhalten." Er präsentierte ein Konzept, wonach ein Investor die Dampflokhalle übernimmt, die bislang erfolgreich mit Kultur und Gastronomie bespielt wurde, und wieder für den regulären Bahnbetrieb nutzt. Das Museum mit seinen historischen Loks sollte die "Bayerisch-Schwäbische Museumsbahn" bekommen. Der Verein besteht nur aus einer Handvoll aktiver Mitglieder; pikanterweise zählt auch ein Mitarbeiter der Landeseisenbahnaufsicht der Regierung von Oberbayern dazu.

Für die Betreiber des Bahnparks kam diese "tragfähige" Lösung, wie sie die Stadt verkaufte, keinesfalls infrage. Schließlich hatte die Stadt vor 15 Jahren beschlossen, im Bahnpark ein museales und kulturelles Angebot zu entwickeln. Was auch geschehen war. Ein Förderverein wurde gegründet und die GmbH, die beliebte Museumsfahrten mit historischen Zügen veranstaltete und zu Dampflokdinners einlud, was sich durchaus rechnete. Es wurden auch die Gebäude auf dem Gelände in mühevoller Arbeit wieder hergerichtet. Dort hatten 1906 die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen ein Betriebsgelände errichtet, das die Deutsche Bahn übernahm und im Jahr 2000 stilllegte. Das Museum entstand danach. Im Zentrum des 24 Hektar großen Areals steht das Rundhaus Europa mit einer Drehscheibe zum Rangieren. Darin sind 25 historische Lokomotiven aus Europa ausgestellt.

Dass das Museum fortgeführt werden kann, daran hat bemerkenswerterweise OB Gribl einen maßgeblichen Anteil. Er schlug sich nach intensiven Gesprächen mit den Bahnparkbetreibern auf deren Seite und legte sein ursprünglich vorgeschlagenes Investoren-Konzept auf Eis. Bahnpark-Geschäftsführer Markus Hehl ist glücklich über die Kehrtwende: "Die Genehmigung unseres Betriebs schafft nun Klarheit." Allerdings müssen noch Details verhandelt werden. Die Regierung von Oberbayern verlangt in ihrem 32 Seiten starken Auflagenbescheid nämlich, dass im Bahnpark nur Veranstaltungen mit Eisenbahnbezug stattfinden dürfen. So kann ein Lokführer dort seine Hochzeit feiern, ein Bäcker aber nicht. Das schränkt die Möglichkeiten, finanziell wieder richtig auf die Beine zu kommen, deutlich ein.