Großaufgebot der Polizei Tödliche Schüsse im Pub

Noch in der Nacht durchsuchten Beamte der Spurensicherung das Traunreuter Lokal, in dem die Schüsse gefallen waren.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Am Samstagabend soll ein 62-Jähriger im oberbayerischen Traunreut offenbar mit einem Repetiergewehr das Feuer eröffnet haben. Später mischte er sich unter die Schaulustigen. Zwei Männer sind tot, zwei Frauen schwer verletzt

Von Matthias Köpf, Traunreut

Eine Stunde nach den tödlichen Schüssen stand der Mann mitten unter den Schaulustigen, die sich überall sehr schnell hinter den Flatterbändern versammeln, wenn alles in Blaulicht getaucht ist. Die Beschreibung schien auf ihn zu passen, etwa 1,75 Meter groß, 50 bis 60 Jahre alt, kurze, graue Haare, Bart, Brille. Also sprachen Polizisten den Mann an, brachten ihn die 15 Kilometer zum Verhör zur Kripo nach Traunstein. Ein paar Stunden später waren die Kriminaler praktisch sicher: Das musste der Mann sein, der am späten Samstagabend in einer Kneipe in Traunreut ein Blutbad angerichtet hat. Zwei Männer im Alter von 31 Jahren hat er tödlich getroffen, zwei Frauen im Alter von 28 und 50 Jahren überlebten schwer verletzt.

Mehr Menschen waren zu der Zeit nicht in dem Pub, nur die 50-jährige Wirtin und die drei jüngeren Gäste. Und gegen halb elf dann eben dieser 62 Jahre alte Mann. Man kannte sich, aber diesmal hielt er ein Repetiergewehr in der Hand. Dann schoss er, lud durch, schoss. Wie schnell, wie oft, wie gezielt er das getan hat, das versucht die Polizei noch herauszufinden. Die Nacht und noch den Sonntagvormittag über war die Spurensicherung in dem Pub am St.-Georgs-Platz, einem einfachen Trinklokal in einer Gegend, die hier in Traunreut einen ähnlichen Ruf genießt, wie die ganze, von viel Industrie und großem Zuzug seit der Nachkriegszeit geprägte Stadt in ihrer Umgebung. Die Spezialisten vom Landeskriminalamt werden den Tatort wohl mit ihrem 3D-Laserscanner abtasten.

Wie gut sich der Schütze und seine Opfer gekannt haben, ob es zwischen ihnen an dem Abend oder irgendwann zuvor Streit gegeben hat, all das blieb am Sonntag noch offen, und auch zum Motiv machte die Polizei keine Angaben. Die Wohnung des Mannes, die noch in der Nacht unter anderem von Spezialkräften aus München geöffnet und durchsucht wurde, liegt nicht weit von der Kneipe entfernt. Hier fanden die Beamten erst Munition und dann auch das Repetiergewehr älterer Bauart. Dieses hält der schnell hinzugezogene Sachverständige - vorbehaltlich seines endgültigen Gutachtens - mit einiger Wahrscheinlichkeit für die Tatwaffe. Beschwerden des Mannes etwa über Lärm aus der Kneipe oder dergleichen seien zuvor jedenfalls nicht eingegangen, heißt es von der Polizei. Erst an diesem Samstagabend um halb elf berichtete dann ein Anrufer von den Schüssen.

Es folgte ein großer nächtlicher Polizeieinsatz mit unzähligen Beamten aus dem ganzen Gebiet des Präsidiums Rosenheim, weiteren Polizisten aus München und einem Einsatzzug des Präsidiums Ingolstadt. Beamte der Bundespolizei und der Bereitschaftspolizei wurden von den laufenden Grenzkontrollen abgezogen. Ein Hubschrauber kreiste über Traunreut, Polizisten richteten Kontrollpunkte an der Straße ein, durchkämmten die Grünflächen zwischen den Wohnblocks am St.-Georgs-Platz mit starken Taschenlampen, überprüften zur Sicherheit auch andere Lokale in der Umgebung.

Die Fahndung nach einem womöglich weiterhin bewaffneten Mörder lief, während der mutmaßliche Todesschütze erst am Tatort unter den Schaulustigen stand und dann in Traunstein beim Verhör saß. Erst als die Kripo-Beamten hinreichend sicher waren, dass sie es mit dem Richtigen zu tun hatten, gaben sie vorsichtig Entwarnung. Erst gegen sieben Uhr morgens meldete die Polizei die Verhaftung des Verdächtigen. In Traunreut hätten wohl die meisten Menschen von dem ganzen nächtlichen Einsatz wenig mitbekommen, sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier am Sonntag. Nur der Hubschrauber habe wohl manchen aufschrecken lassen. In den sozialen Medien zog der Fall eher regionale Kreise, verschiedene Gerüchte und Spekulationen machten die Runde. An eine Terror-Tat oder eine Amoklage habe man bei der Polizei jedoch zu keiner Zeit einen Gedanken verschwendet, sagte Thalmeier.

Am späten Sonntagvormittag wurde der Verdächtige dem Haftrichter vorgeführt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein und nach Untersuchung durch einen Psychiater wurde der Mann nicht in Untersuchungshaft in einem Gefängnis genommen, sondern in einer geschlossenen und gesicherten forensischen Psychiatrie untergebracht. Die beiden schwer verletzten Frauen sind laut Polizei außer Lebensgefahr, konnten zunächst aber noch nicht ausführlich vernommen werden.