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Grabstätte für den Ehrenbürger:Garmisch streitet abermals über Levi

Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen wird die von den Nationalsozialisten geschändete und in den Fünfzigerjahren vollends geschleifte Grabstätte ihres Ehrenbürgers Hermann Levi neu aufbauen. Dies hat der Marktgemeinderat nach jahrelangen Diskussionen am Mittwochabend beschlossen. 2020, wenn sich der Tod des jüdischstämmigen Dirigenten zum 120. Mal jährt, soll durch Konzerte und Veranstaltungen zum Hermann-Levi-Gedenkjahr werden. Abermals keine Mehrheit fand sich im Rat für den Vorschlag, den Kurpark im Ortsteil Partenkirchen in Hermann-Levi-Park umzubenennen. Stattdessen soll es nun einen "Gedenk- und Lebensweg" für Levi geben.

"Die Argumente, die gegen die Umbenennung des Partenkirchner Kurparks angeführt wurden, waren teilweise hanebüchen und die Diktion im Laufe der Diskussion beschämend", sagte Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD) am Donnerstag. Meierhofer hatte wie zehn weitere Räte für die Umbenennung gestimmt, darunter Alexandra Roos-Teitscheid, die Meierhofers Bewertung teilt. Aussagen einzelner Räte, dass "diesem Levi" der Kurpark "geopfert" werden solle, stellen für Roos-Teitscheid einen "Tiefpunkt an Diskussionskultur und Politikkultur" dar.

Der Ort müht sich seit Jahren um das Gedenken an Levi, der als Hofkapellmeister in München einer der ersten modernen Dirigenten und eine prägende Figur des Kulturlebens war. Levi wurde im Park seiner Villa in Partenkirchen beigesetzt. Der Sarg und die Grabplatte liegen dort immer noch, waren aber lange von vielerlei Gerümpel überdeckt. Meierhofer und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, hatten bereits eine Umbettung nach München vorgeschlagen. Doch nun hat Meierhofer mit dem Grundeigentümer ein Tauschgeschäft besiegelt, so dass Grab und Umfeld der Gemeinde gehören. Eine neue Gedenkstätte dort soll ebenso Gegenstand eines Gestaltungswettbewerbs werden wie der Gedenkweg, der am Grundstück und einen kleinen Fußweg entlang führen soll. Viele Einwohner wollen vom lang vergessenen Ehrenbürger Levi weiterhin wenig wissen. Zu Beginn der breiteren Debatte 2012 sollte ein Teil der Hindenburgstraße nach Levi benannt werden, doch die Bürger stimmten in einem Entscheid zu 90 Prozent für Hindenburg.