Gangs in Ulm und Neu-Ulm Krieg der Rocker

Es geht um Einfluss im Rotlichtmilieu und in der Türsteher-Szene: In der Region Ulm/Neu-Ulm tobt ein brutaler Machtkampf zwischen vier rivalisierenden Banden. Die Gangs bekriegen sich mit Beilen, Schlagstöcken und Brandsätzen - und schrecken auch vor Mord nicht zurück.

Von Stefan Mayr

Nach dieser blutigen Nacht war es in Neu-Ulm vorbei mit der beschaulichen Vorweihnachtszeit. Am 16. Dezember 2012 gab es kurz vor neun Uhr abends vor dem Vereinsheim des "Türkischen Sportvereins" eine Schießerei - mitten in der Stadt und auf offener Straße, wie es in solchen Fällen immer heißt. Zwei Männer wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Einer wurde gerettet, der andere starb noch in derselben Nacht. Inzwischen wissen die Behörden, dass die Schießerei der Höhepunkt eines Bandenkrieges ist, der in der Region Ulm/Neu-Ulm seit längerem tobt.

Im Großraum der Doppelstadt sind gleich vier Rocker-Gruppierungen aktiv: "Bandidos", "Red Legion", "Black Jackets" und "Rock Machine". Letztere sind keine klassischen Motorrad-Clubs, sondern eher Straßen-Gangs. Ihre innere Struktur ist aber ganz ähnlich - und sie kämpft um die Macht im Rotlichtmilieu und in der Türsteher-Szene. Dabei kam es bereits zu Schlägereien, Messerstechereien, Brandstiftungen und mehreren Schießereien.

Beile, Schlagstöcke und Messer

Seit den tödlichen Schüssen vom dritten Advent 2012 steht fest: Ulm/Neu-Ulm ist eine Art Rocker-Hochburg Bayerns, selbst in der Landeshauptstadt München scheinen die rivalisierenden Motorrad-Clubs weniger gewaltbereit zu sein.

München hat 1,4 Millionen Einwohner, der Großraum Ulm/Neu-Ulm nur 170.000. Dennoch ist die Liste der Straftaten aus dem Rockermilieu an der Donau sehr lang: Im Frühjahr 2012 gab es innerhalb zweier Wochen gleich zwei Brandstiftungen. Zunächst wurde das Neu-Ulmer Café "Nachtschicht" abgefackelt, in dem sich die Mitglieder der "Bandidos" trafen. Wenig später brannte das Gasthaus "Big Ball", in dem regelmäßig Männer der "Rock Machine" verkehrten. Im März 2013 verhinderte die Polizei im letzten Moment eine Massen-Keilerei mit mehr als 100 Beteiligten. Die Banden-Mitglieder reisten aus ganz Süddeutschland an, die Polizei stoppte sie teilweise schon bei der Anfahrt. Dabei stellte sie zahlreiche Waffen sicher: Beile, Schlagstöcke und jede Menge Messer.

Gleich zwei Schießereien werden demnächst vor dem Landgericht Ulm verhandelt: 2011 sollen mehrere "Bandidos" Schüsse auf das Haus eines "Rock Machine"-Mitglieds abgegeben haben. Und im Februar 2013 soll ein Mann der "Black Jackets" aus 20 Metern auf eine Gruppe der "Red Legion" geschossen haben. Bei beiden Taten wurde niemand verletzt, in der Anklage ist von versuchtem Mord die Rede.