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G-8-Treffen in Schloss Elmau:Im Schatten des Gipfels

Politik vor Bergkulisse: optisch jedenfalls ein herrlicher Platz für einen Plausch unter Mächtigen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Bagger pflügen, der Hotelier philosophiert und die Polizei checkt die Lage. Rund um Schloss Elmau in Oberbayern trifft man auf die Vorboten des G-8-Gipfels 2015. Auch die Gegner sind schon mal beim Probewandern.

An der kleinen Holzhütte am Bach müssen alle vorbei, die mit dem Auto ins Gipfel-Paradies fahren. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Krün verlangt hier vier Euro Maut für die Nutzung der Privatstraße in die Elmau. In diesem prachtvollen Talkessel am Fuße des Wettersteingebirges werden sich am 4. und 5. Juni 2015 die sieben mächtigsten Staatenlenker der Welt treffen. Vielleicht auch acht, wenn Wladimir Putin doch noch eingeladen wird.

Daneben werden erwartet: etwa 15 000 Polizisten, 3000 Delegationsmitglieder, 5000 Journalisten und eine unbekannte Zahl von Demonstranten. Allein im Jahr 2014 will der Freistaat 41 Millionen Euro für die Vorbereitungen ausgeben. In Elmau herrscht schon reger Betrieb, allerdings zahlen an der Mautstation viele Besucher keinen Cent: Handwerker, Bauarbeiter, Polizisten und Regierungsbeamte dürfen gratis passieren. Ein Streifzug durch eine Region, die wenigstens bisher für ihre Gipfel geliebt wird.

Die Zwillinge

An der Mautstraße holt ein Staplerfahrer einen Packen Plastikrohre von einem Anhänger, die so lang sind wie ein Fernreisebus. Die Kollegen im Bagger reißen gerade den Graben auf, in dem sie verlegt werden. Das Fünf-Sterne-Hotel Schloss Elmau soll durchaus über eine akzeptable Wasserversorgung, eine funktionierende Hackschnitzelheizung und auch über einen passablen Internetanschluss verfügen.

G-8-Gipfel in Schloss Elmau

Wo sich die Mächtigsten der Welt treffen

Doch für den Gipfel gilt das Prinzip Zwilling: Alles muss doppelt vorhanden sein. Eine neue Wasserleitung wird verlegt, eine neue Gasleitung, eine neue Internetleitung. Eine zweite Zufahrtsstraße soll ertüchtigt und teilweise geteert werden. Und weil man schon dabei ist, wird Elmau an den Kanal angeschlossen. Das Schöne daran: Das Geld kommt von oben. Wie auch die Hilfe für den neuen Digitalfunk: So mancher Mast in Oberbayern steht ungenützt herum, weil alle Handwerker und alles verfügbare Material ins Werdenfelser Land beordert wurden.

Der Hotelier

Gäbe es ein G-8-Treffen für Hoteliers, Dietmar Müller-Elmau wäre sicher eingeladen. Die internationalen Auszeichnungen für ihn und sein Hotel Schloss Elmau, Fünf-Sterne Superior, sprengen jeden Briefkopf.

Für Angela Merkel und ihre Kollegen hat er sich noch mehr ins Zeug gelegt, erzählt er beim Tee auf der Hotel-Terrasse: Rechtzeitig zum G-8-Gipfel wird ein Neubau in Rufweite zum Schloss fertig, mit Suiten, in denen er sieben oder auch acht Staatenlenker "bis auf den Quadratzentimeter gleichwertig" unterbringen könnte. Wenn sie so nahe beisammen nächtigen wollen. Sie können auch das Haupthaus nutzen, 14 Tage lang hat es die Bundesregierung ebenfalls komplett gemietet.

Müller-Elmau versteht sich nicht nur als Hotelier, sondern auch als Philosoph und homo politicus. Sollte Frau Merkel mal nicht mehr weiter wissen, hätte er durchaus das Selbstbewusstsein, die ganze Gipfel-Bagage per Helikopter auf den Schachen hinauffliegen zu lassen und ihr dort am Lieblingsplatz seines Idols, König Ludwig II., ein paar politische Visionen einzubläuen.