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Fürth:Streit um Auszeichnung

Allianz stört sich an Ehrung eines Stadtrates der Republikaner-Partei

Die Verleihung des Goldenen Kleeblatts in Fürth ist normalerweise keine große Sache, die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich für das Wohl von Stadt und Bürgerschaft Verdienste erworben haben. Diesmal aber wird eine Ehrung schon seit mehr als einer Woche diskutiert, die vor allem der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion sauer aufstößt. Die Allianz vertritt mehr als 350 Initiativen, Organisationen, Institutionen und Kommunen in und um Nürnberg, zählt damit zu den gewichtigen Stimmen der Region. Sie stößt sich an der städtischen Auszeichnung für Claus-Uwe Richter, der von 1990 bis 2020 Mitglied des Fürther Stadtrats war - für die Republikaner.

Nachdem Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) auf die anschwellende Kritik hin die Auszeichnung verteidigt hatte, legte die Allianz nun nach. Für sie sei es nach wie vor unverständlich, wie die Stadt einen ehemaligen Stadtrat der rechtslastigen Republikaner auszeichnen konnte. Zwar habe der OB erklärt, dass Richter als Person gewürdigt worden sei, nicht für seine Parteimitgliedschaft - und die Welt eben komplizierter sei: Richter habe sich als Stadtrat nie rechtsextrem geäußert. Aber wenn "Richter die rechtsextremen und rassistischen Positionen der Republikaner tatsächlich ablehnt, hätte er über 30 Jahre Zeit gehabt, aus der Partei auszutreten", erklärte Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz. Nachdem er dies nicht getan habe, vertrete er auch deren Inhalte. Die Kritik Jungs, die Allianz würde "schwarz-weiß" denken, weise man zurück. Eine klare Haltung dürfe man "nicht mit Schwarz-Weiß-Denken verwechseln", erklärte Stefan Ark Nitsche, stellvertretender Chef der Allianz. Die Allianz appelliere an den Fürther Stadtrat, solche Auszeichnungen künftig "auf den Prüfstand zu stellen". Auch sollten nach der Causa Fürth in anderen Kommunen die Auszeichnungsvoraussetzungen hinterfragt werden.

© SZ vom 06.08.2020 / prz

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