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Führungsdiskussion in der CSU:Einsicht nach der Zwergrevolte

Bayerischer Landtag - Plenarsitzung

CSU-Parteichef Horst Seehofer will Frieden in seiner Partei.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Der Sturz von Edmund Stoiber ist zwar schon Jahre her, dürfte den CSU-Mitgliedern aber noch gut in Erinnerung sein. Parteichef Horst Seehofer will einen ähnlichen Abgang vermeiden. Bei der Zwergrevolte dürfte ihm nun klar geworden sein, was er dafür tun muss.

Es war von Anfang an klar, dass die diffuse Revolte in der CSU ihren Chef nicht ernsthaft in Schwierigkeiten bringen würde. Dazu war sie zu erkennbar getragen von Parteimännern, die eine Rechnung mit Horst Seehofer offen hatten. Dazu kam, dass sie im Fall von Markus Ferber aus einem obskuren Konglomerat von halbdurchdachten Attacken bestand. Man kann Horst Seehofer vieles vorwerfen, aber nicht, dass er die Partei in Berlin nicht zurück auf die Bühne gebracht hätte.

Eine Partei wie die CSU reagiert auf solche Angriffe üblicherweise mit der Schließung ihrer Reihen und einem autoritären Durchgriff von oben. Das interessante Ergebnis dieses Wochenendes ist, dass genau das nicht passiert ist. Nach neunstündiger, kraftraubender Diskussion gab es einen Vorsitzenden zu sehen, der Veränderungen im Führungsstil ankündigte.

Darauf, dass diese sehr nachhaltig sein werden, sollte man zwar nicht wetten. Zum einen ist die mitunter rumpelige Durchsetzungskraft des Parteichefs nun einmal in dessen politischem Charakter angelegt. Zum anderen beruht vieles am internen Gejammer über Seehofers ach so fiese Umgangsformen auch am weit verbreiteten Mittelmaß in der Partei. Hätte nicht Seehofer viele Kohlen aus dem Feuer geholt, hätte die Partei ihr 40-Prozent-Debakel womöglich schon bei der Landtagswahl erlebt. Und nicht erst bei der für die Partei weit weniger bedeutenden Europawahl.

Doch es ist nicht nur die CSU, die Seehofer braucht. Auch der Parteichef benötigt Frieden mit dem eigenen Laden, das dürfte ihm bei der Zwergrevolte sehr klar geworden sein. Die hinterließ bei Seehofer nicht nur deswegen Eindruck, weil er sie als ungerecht empfand. Sondern auch, weil sie klarmachte, wie labil das System Seehofer letztlich ist. Ein Parteichef ist in der CSU schnell gestürzt, das lehrt der Fall von Edmund Stoiber.

Einen solchen Abgang will Seehofer unbedingt vermeiden. Im Kampf dagegen beginnt jetzt die zweite Halbzeit.

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