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Fauna:"Zorro" wohnt in den Allgäuer Alpen

Gartenschläfer

Der Gartenschläfer ist ein Verwandter des Siebenschläfers und sehr selten. Sein Spitzname: "Zorro".

(Foto: Rudolf Leitl/LBV/dpa)

Biologe entdeckt seltenen Gartenschläfer mit Wildtierkamera

Von Christian Sebald, Oberstdorf

Es ist eine kleine Sensation für Artenschützer: In den Allgäuer Alpen ist ein Gartenschläfer entdeckt worden. Die Nagetiere mit der markanten Zorro-Maske um die Augen herum zählen zu den seltensten Tieren überhaupt. In Bayern gibt es nur ganz kleine Vorkommen, vor allem in Nordostbayern und einige ganz wenige Tiere im Oberallgäu. In Deutschland kommt der Gartenschläfer hauptsächlich in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz vor. Die Tiere werden bis zu 15 Zentimeter lang, sie haben ein braun-weißes Fell, ihr Schwanz kann fast so lang wie der Körper werden.

Entdecker des seltenen Tieres ist der Allgäuer Biologe und Artenschützer Hennig Werth, der beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) arbeitet. Er erfasst seit einiger Zeit die Kleinsäuger-Populationen im Landkreis Oberallgäu. Dazu sind in der Region eine Menge Wildtierkameras aufgestellt worden. Werth wertet derzeit die etwa 10 000 Bilder aus, die mit ihrer Hilfe gemacht wurden. Das Bild, das den Gartenschläfer zeigt, stammt vom Juli 2019 und ist für sich genommen wenig spektakulär. Es ist schwarz-weiß, etwas unscharf und zeigt lediglich Schwanz und Hinterteil des Nagers. Gleichwohl ist Werth begeistert. Denn die Aufnahme wurde auf einer Alpe auf 1600 Meter Höhe gemacht. "Der Gartenschläfer kommt für gewöhnlich auf Obstwiesen, in Kleingärten und in Weinbergen vor", sagt Werth. "In Mittelgebirgen lebt er in Schlucht- und Hangwäldern." Dass er auch auf 1600 Metern Höhe zurecht kommt, war bisher nicht bekannt. "Das ist außergewöhnlich und muss erforscht werden", sagt Werth. Er vermutet weitere Vorkommen in den Allgäuer Alpen.

Deutschland und damit Bayern kommt laut Werth eine besondere Verantwortung für den Gartenschläfer zu. Denn hier leben etwa zehn Prozent des weltweiten Vorkommens. Deshalb sind die Nagetiere offiziell als "nationale Verantwortungsart" eingestuft. Gartenschläfer sind nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in Baumhöhlen, Nestern oder Felshöhlen. Ihr Winterschlaf geht von Oktober bis April. Gartenschläfer sind Allesfresser, zu ihrem Nahrungsspektrum zählen Früchte, Samen und Knospen. Überwiegend ernähren sie sich freilich von Insekten. "Der dramatische Rückgang der Art dürfte denn auch mit dem Insektensterben zu tun haben", sagt der Artenschützer Werth. Als weitere Gründe vermuten Forscher Lebensraumverluste und den Klimawandel. Die Allgäuer Alpen sind indes ein Naturjuwel, sie gelten als das artenreichste Gebirge in Deutschland. Vor eineinhalb Jahren wurde dort bereits die Waldbirkenmaus nachgewiesen. Sie zählt ebenfalls zu den seltensten Arten Deutschlands.

© SZ vom 31.01.2020
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