Diskussion um Zugspitz-Werbung:"Der Köder muss dem Fisch schmecken"

Mitte Juli berichtete das Magazin Quer im Bayerischen Rundfunk über die Bemühungen der Garmischer - und erwähnte auch erstmals das Corpus Delicti: eine Broschüre, extra für muslimische Gäste, und schlug vor, doch gleich einen Halbmond auf den Gipfel zu schrauben.

Ende Juli erwähnte die Nachrichtenagentur dapd in einem Bericht über arabische Touristen in Bayern Prospekt und Foto. Und am Wochenende füllte die kleine evangelische Nachrichtenagentur idea das Nachrichtenvakuum mit einer Geschichte über die arabischen Alpentouristen. Für die arabische Broschüre sei "ein Bildausschnitt ohne Kreuz" ausgewählt worden, hieß es darin.

Radio Vatikan machte unter Berufung auf idea daraus eine Retusche und die Bild sah am Montag gleich einen "Wirbel um das Zugspitz-Gipfelkreuz".

In Garmisch will dieser Wirbel bislang allerdings nicht so recht aufkommen. Die Verantwortlichen in der Touristenregion geben sich pragmatisch: "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler", sagt der für den Tourismus zuständige Dritte Bürgermeister, Hannes Krätz.

"Menschen mit anderen Glaubensrichtungen nicht vor den Kopf stoßen zu wollen - das ist doch positiv", sagt Jutta Griess vom Hotel- und Gaststättenverband. "Wenn die das Kreuz nicht sehen wollen, dann lassen wir es halt weg", sagt Kreisheimatpfleger Biwi Rehm.

Und Pfarrer Lackermeier? "Ich hätte es nur schlimm gefunden, wenn da absichtlich manipuliert worden wäre", sagt er. Aber er finde es gut Rücksicht zu nehmen, dass es auf der Zugspitze mittlerweile einen Gebetsraum und spezielle Toiletten für Muslime gebe. Außerdem sei die Begründung der Zugspitzbahn plausibel.

Die lautet: Man werbe lediglich für unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Motiven. Wintersportler bekämen halt Skifahrer gezeigt, Wanderer die Bergsilhouette - und die Araber Berge und Schnee, das sei schließlich der Hauptgrund, warum sie zur Zugspitze kämen.

Aber ein Kreuz ist in Bayern halt immer noch für eine Geschichte gut - selbst, wenn es nicht zu sehen ist.

© SZ vom 14.08.2012/infu
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