Dinkelsbühl Streit um Bahnstrecke

Bürgermeister uneinig über Reaktivierung in Westmittelfranken

Reguläre Fahrgäste begrüßt das weiße Schild mit dem Schriftzug Dinkelsbühl am ehemaligen Bahnhof der westmittelfränkischen Stadt schon lange nicht mehr. Nur Museums- und Güterzüge rollen hier vorbei. Der Bahnverkehr auf der Strecke von Dombühl (Landkreis Ansbach) nach Nördlingen im schwäbischen Landkreis Donau-Ries brachte zu wenig Profit, 1985 war Schluss damit. Doch seit Jahren kämpfen einige Gemeinden - allen voran die fränkische Stadt mit knapp 12 000 Einwohnern - um die Reaktivierung der Bahnstrecke von Dombühl nach Süden über Feuchtwangen und Schopfloch ins 25 Kilometer entfernte Dinkelsbühl nahe der baden-württembergischen Grenze. Inzwischen gibt es Signale, dass auf der Strecke wieder Züge fahren könnten.

Doch nicht jeder ist von einer Wiederbelebung begeistert. Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh (CSU) sagt: "90 Prozent der Bevölkerung haben keinen Vorteil durch einen Bahnanschluss." Die Leute müssten flexibel zu ihrer Arbeitsstelle kommen. "Was hilft es da, wenn einmal in der Stunde, der Zug hält?", fragt Ruh. Er fürchtet außerdem hohe Kosten. Laut Ruh ist auch sein Amtskollege in Schopfloch von den Plänen nicht begeistert.

"Wir haben über 2000 Gemeinden in Bayern. Ich schätze mal, jede würde sich über eine Bahnreaktivierung freuen. Aber ausgerechnet mein Nachbar nicht", sagt Dinkelsbühls Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) in Richtung von Ruh. Denn Hammer wünscht sich die Wiederbelebung dringend. "Immer wieder werden wir von Touristen gefragt, warum es keine Zugverbindung nach Dinkelsbühl gibt", sagt der Rathauschef. Denn der Tourismus boomt in der Stadt mit den romantischen Gässchen und schmucken Fachwerkhäusern. Im vergangenen Jahr zählte die Kommune mehr als 150 000 Übernachtungen, 2017 könnten es knapp 170 000 sein. Und im kommenden Jahr beginnen die Bauarbeiten für ein neues Hotel mit 150 Betten und Tagungsräumen.

Derzeit laufen zwischen dem Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn, Heino Seeger, und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft Gespräche über die Strecke. Seeger soll die Reaktivierung voranbringen. Es geht um Laufzeiten und Kosten. Die Strecke müsse in einem nicht unerheblichen Maße modernisiert werden, sagt Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU), der hinter der Bahnreaktivierung steht. In Betrieb gehen könne die Strecke frühestens 2022. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft bietet bisher zwölf Jahre Bestandsgarantie, Seeger wünscht sich aber 18 Jahre. Er setzt auf Investoren, und "die wollen wissen, wie die Rahmenbedingungen sind". Er rechnet mit Investitionskosten in Höhe von etwa 20 Millionen Euro.

Leutershausen westlich von Ansbach ist schon weiter. Seit dem Fahrplanwechsel am Sonntag rollen S-Bahnen von Nürnberg über Leutershausen-Wiedersbach nach Dombühl. Die S 4 fährt künftig im Zwei-Stunden-Takt. "Wir freuen uns riesig", sagt Bürgermeisterin Sandra Bonnemeier (parteilos). Sie ist überzeugt, dass eine Bahnreaktivierung ein wichtiges Signal für Westmittelfranken wäre. Bis dahin sollen Busse Dombühl mit Feuchtwangen, Dinkelsbühl und Rothenburg ob der Tauber verbinden.