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Denkmalschutz:Aufbruch statt Abriss

Vor einem Jahr schien der ehemalige Elektroladen mit dem auffälligen Giebel keine Zukunft zu haben: Die Fenster waren schon ausgebaut.

(Foto: Claudia Henzler)

In Feuchtwangen sollten historische Gebäude abgerissen werden, um das Zentrum zu beleben. Mithilfe des kommunalen Denkmalkonzepts fand sich ein Kompromiss

Die Sache schien gelaufen zu sein: Weil so viele Häuser in der Altstadt leer standen, war Bürgermeister Patrick Ruh (CSU) bereit, mehrere denkmalgeschützte Gebäude in Feuchtwangen abreißen zu lassen, um das historische Zentrum wiederzubeleben. Doch nun kommt alles anders. Ein gutes Jahr später haben sich die Stadt, das Landesamt für Denkmalschutz und der Investor auf eine Planung geeinigt, in der ein großer Teil der denkmalgeschützten Substanz erhalten bleibt. Bemerkenswert dabei: Sie haben nicht etwa zähneknirschend einem als halb gar empfundenem Kompromiss zugestimmt, sondern eine Lösung gefunden, mit der sowohl die Stadt als auch die Denkmalschützer sehr zufrieden sind.

Möglich wurde dies durch ein relativ neues Instrument der städtebaulichen Denkmalpflege, bei dem das Landesamt der Stadt einiges an Zeit, Geld und Kontakten zur Verfügung stellte: das sogenannte kommunale Denkmalkonzept. Eine Mitarbeiterin des Landesamtes brachte alle Beteiligten in diversen Gesprächsrunden zusammen. Und die Stadt konnte einen Städteplaner beauftragten, der zu 80 Prozent vom Landesamt bezahlt wurde.

Beide Seiten loben die Zusammenarbeit der vergangenen Monate als wegweisend. "Es war für alle Beteiligten sehr, sehr lehrreich", sagt Ruh. Durch den Einsatz des Landesamtes und dessen pragmatischen Ansatz sei es letztlich gelungen, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen. Ruh schwärmt regelrecht von der "städtebaulich fantastischen Lösung". Sie sei für den Investor finanziell interessant und bedeute für den künftigen Nutzer keine Einschränkungen. Ein Sozialunternehmen wird auf dem Areal Büros und eine Tagespflege ansiedeln. Einfach sei der Weg dahin aber nicht gewesen, betont Ruh. Die Einigung habe immer wieder auf der Kippe gestanden. "Wir können jetzt sehr stolz darauf sein."

Vor gut einem Jahr waren Ruh und sein Stadtrat noch fest entschlossen, die Sache gegen den Willen des Landesdenkmalamtes durchzuziehen. Denn jenseits des malerischen Marktplatzes sind in der Altstadt nach Ruhs Schätzung 40 Objekte sanierungsbedürftig. In immer mehr Häuser sind Mieter mit wenig Geld eingezogen, Läden haben zugesperrt. Der Bürgermeister hatte lange nach Nutzern für verwaiste Immobilien gesucht - doch viele der befragten Firmen winkten ab: zu kleine Büroflächen, zu wenig Parkplätze, zu großer Investitionsbedarf. Deshalb wollte die Stadt sieben Gebäude opfern und einem privaten Investor erlauben, an ihrer Stelle vier moderne Neubauten in die Altstadt zu stellen.

In dem etwa 1700 Quadratmeter großen Quartier befinden sich unter anderem ein Gasthaus, eine ehemalige Metzgerei und ein früheres Elektrogeschäft. Einheimischen ist es, benannt nach Gasthaus und Elektroladen, als Huppmann-Banse-Areal geläufig. Die drei markantesten Häuser werden nun erhalten und hergerichtet. Den Rest darf der Investor abreißen, um Platz für einen Neubau mit Tagespflege zu schaffen - auch eine 300 Jahre alte Scheune, deren Instandsetzung auch aus Sicht des Landesamtes nicht zumutbar wäre. Zweites großes Entgegenkommen der Denkmalschützer: Sie stimmen dem Bau einer Tiefgarage zu, die kleiner wird als vorgesehen. Feuchtwangen ist innerhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung auch ein Bodendenkmal, doch nach archäologischen Grabungen war man bereit, Abstriche zu machen. "Da ist jetzt kein Kaisergrab gefunden worden", sagt Amtsleiter Mathias Pfeil zur Begründung.

Für ihn hat sich in Feuchtwangen gezeigt, welche Chancen das 2015 eingeführte Instrument des kommunalen Denkmalkonzeptes bietet. Es sei das erste Verfahren gewesen, "das unter sehr schwierigen Vorzeichen begonnen hat und erfolgreich abgeschlossen werden konnte", sagt Pfeil. Ungefähr 40 weitere Verfahren betreue sein Amt. Es kann gerade für Kommunen in strukturschwachen Gegenden interessant sein, die kein Geld haben, um ein zukunftsfähiges Entwicklungskonzept für ihren historischen Baubestand zu finden. Seit diesem Jahr steht dem Landesamt eine Million Euro zur Verfügung, um wie in Feuchtwangen den Weg zu einer "historisch informierten Planung" zu begleiten.

Zur Beratung gehört auch, die weiteren Zuschussmöglichkeiten aufzuzeigen. So ist die Sanierung der Einzeldenkmale in Feuchtwangen letztlich auch deshalb möglich, weil Geld aus der Städtebauförderung und der Denkmalpflege fließt. Ruh spricht von "insgesamt einem Millionenaufwand an Zuschüssen, mit denen sichergestellt wird, dass die Einzeldenkmale wirtschaftlich saniert werden können".

© SZ vom 29.08.2019

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