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CSU-Politiker:Söder ist "Gaddafi Bayerns"

Mit seiner Kehrtwende in der Atompolitik hat sich Bayerns Umweltminister Markus Söder in der CSU nicht nur Freunde gemacht: Der Vize-Landrat von Deggendorf ist besonders verärgert und schreibt einen Brandbrief an die Parteizentrale.

Mike Szymanski

Mit seiner Kehrtwende in der Atompolitik hat sich Bayens Umweltminister Markus Söder in der CSU keineswegs nur Freunde gemacht. An der Seite von Parteichef Horst Seehofer führt er die Ausstiegsbewegung an und legt ein Tempo vor, bei dem viele in seiner Partei nicht mehr mitkommen.

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Umweltminister Markus Söder will den Atomausstieg bis 2022 - um jeden Preis. In der CSU macht er sich damit nicht nur Freunde.

(Foto: dapd)

Nun sind einem niederbayerischen CSU-Politiker regelrecht die Sicherungen durchgebrannt. "Söder tut, was er will", schreibt Peter Erl, Vize-Landrat in Deggendorf und Chef der örtlichen Mittelstandsunion in einem Brandbrief an die Parteispitze. Und weiter heißt es in dem Brief, der der SZ sowie auch anderen Redaktionen zugeschickt wurde, über Söder: "Für mich ist er der Gaddafi Bayerns."

Damit vergleicht Erl Söder mit dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi, der im Kampf um seinen Machterhalt auch auf Zivilisten schießen lässt. Auch auf Söders Rücktrittsdrohung im Kabinett für den Fall, dass sich die Regierung auf ein späteres Ausstiegsdatum als 2022 festlege, geht Erl ein. "Bitte, Herr Söder, machen sie diesen Schritt." Eine Sprecherin Söders sagte, solche Vergleiche disqualifizieren sich von selbst.

Auslöser für die Attacke war nicht unmittelbar die Ausstiegsdebatte. Söder hatte am Donnerstag bei einem Treffen mit Vertretern aus den Donau-Anrainerstaaten im niederbayerischen Niederalteich abermals den von der CSU auf einem Parteitag beschlossenen Donauausbau in Frage gestellt. Außerdem hatte Söder örtliche CSU-Politiker nicht von seinem Besuch informiert. Erl gilt in der Partei als Rebell, als Delegierter auf Parteitagen fällt er durch scharfe, kritische Bemerkungen auf.

© SZ vom 28.05.2011/bica
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