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Bistum Regensburg:Voderholzer soll aus Müllers Schatten treten

Die Abberufung von Gerhard Ludwig Müller als Chef der katholischen Glaubenskongregation weckt in seinem früheren Bistum Regensburg Erwartungen, dass sich das Verhältnis zwischen kritischen Laien und Diözese wieder verbessert. "Vielleicht finden wir jetzt zur Normalität zurück wie andere Bistümer", sagt Fritz Wallner, der frühere Vorsitzende des Diözesanrats. Müller, der von 2002 bis 2012 Regensburger Bischof war, hatte dieses Laiengremium abgeschafft und durch ein Diözesankomitee ersetzt. Er hoffe, dass der jetzige Bischof Rudolf Voderholzer, ein ehemaliger Schüler des Kardinals, sich von seinem Lehrmeister Müller nun emanzipiere. "Die Menschen wollen ja in der Kirche mitmachen", sagt Wallner.

Ähnlich äußert sich die "Laienverantwortung Regensburg". Müller habe "sehr viel an Mitarbeit und Zusammenarbeit zerstört" sowie "Menschen in die Ecke der angeblichen Kirchenfeindlichkeit gestellt", sagt ihr Vorsitzender Johannes Grabmeier. Nun, da der Kardinal keine wichtige Funktion mehr ausübe, "hoffen wir, dass sein Statthalter Bischof Voderholzer aus dem dunklen Schatten seines Vorgängers treten kann". Die "falschen Weichenstellungen" - insbesondere bei der Zerschlagung der Laiengremien in der Diözese - müssten "endlich korrigiert" werden.

Die Entscheidung von Papst Franziskus habe sie weder überrascht, noch empfinde sie Schadenfreude, sagte Sigrid Grabmeier, eine Sprecherin der Laienorganisation "Wir sind Kirche". Sie begrüße ausdrücklich, dass Müller im Vatikan nicht mehr für die Aufklärung von Missbrauchsfällen zuständig sei. In Regensburg hatte es immer wieder Vorwürfe gegeben, dass Müller Untersuchungen etwa über Missbrauch bei den Domspatzen verzögere. Er hoffe, dass Voderholzer seinen Weg in dieser Frage weitergehe, sagt Wallner. Gleichzeitig fürchte er, dass Müller mangels anderer Aufgaben vielleicht wieder stärker in sein altes Bistum "hineinregieren" wolle.

Müllers Freunde in Regensburg bedauern seine Ablösung als Glaubenspräfekt. So einen Vorgang habe es "in den 500 Jahren des Bestehens dieses Amtes so nicht gegeben", kritisiert der frühere Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid. Die Entscheidung des Papstes werde "in der Kirche noch lange nachwirken". Vom Bistum gab es zunächst keine Stellungnahme.