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Bischof Walter Mixa:Zur letzten Schlagzeile

Vorwürfe - Leugnung - zähneknirschendes Eingeständnis: So sind die jüngsten Skandale um Bischof Mixa abgelaufen. Am Ende steht ein Rücktrittsgesuch, das viele zuletzt gefordert hatten. Chronologie in Bildern.

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Bis vor wenigen Wochen war der Augsburger Bischof Walter Mixa vor allem als Hardliner unter den deutschen Geistlichen bekannt: immer mit polarisierenden Äußerungen zur Stelle, immer für eine Schlagzeile gut.

Doch seit Ende März sind es nicht mehr seine Worte, sondern seine Taten, die den Gottesmann in Bedrängnis bringen. Es geht um die Misshandlung von Heimkindern und die satzungswidrige Verwendung von Stiftungsgeldern - und vor allem um Mixas Umgang mit den Vorwürfen. Dabei war ein unglückseliger Dreiklang zu beobachten: Anschuldigungen werden laut. Der Bischof bestreitet alles. Und die Vorwürfe stellen sich als wahr heraus.

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Walter Mixa, dpa

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Es ist mehr dieses arrogante Verhalten als die tatsächlichen Vorwürfe, weswegen Mixa nun ein Rücktrittsbesuch beim Vatikan einreicht. Denn mal ehrlich: Hätte der Bischof von Beginn an zugegeben, in den siebziger Jahren "ein paar Watschn" verteilt zu haben - wen hätte es schockiert?

Doch von vorne: Der Skandal nahm am 31. März mit einem Bericht der Süddeutschen Zeitung seinen Anfang. Mehrere ehemalige Heimkinder erhoben schwere Anschuldigungen gegen den früheren Stadtpfarrer von Schrobenhausen. Dort war Mixa ab Anfang der siebziger Jahre tätig. Sechs ehemalige Zöglinge ...

Walter Mixa auf einer Pressekonferenz im Februar 2010 anlässlich der Deutschen Bischofskonferenz Foto: dpa

Walter Mixa mit Kindern, AP

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... des Schrobenhausener Kinder- und Jugendhilfezentrums St. Josef berichteten in eidesstattlichen Versicherungen von körperlicher Gewalt durch Aufsichtspersonen - und durch den damaligen Stadtpfarrer Mixa. "Er hat mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen", schrieb Jutta Stadler aus Pfaffenhofen, die von 1968 bis 1977 in dem Heim lebte.

Walter Mixa im Jahr 2000 Foto: AP

Walter Mixa, dpa

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Das Bistum Augsburg wies die Anschuldigungen gegen Mixa scharf zurück und bezeichnete die Aussagen der vermeintlichen Opfer als "Versuch der Diffamierung". Man behalte sich rechtliche Schritte vor. Auch der Bischof selbst wehrte sich in mehreren Interviews gegen die Vorwürfe.

Walter Mixa auf einer Pressekonferenz im Februar 2010 anlässlich der Deutschen Bischofskonferenz, Foto: dpa

Mixa

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Nur wenig später enthüllte die Augsburger Allgemeine, dass Mixa als Stadtpfarrer Stiftungsgelder satzungswidrig verwendet hat. Unter anderem soll er einen Kupferstich für 43.000 Euro gekauft haben.

Foto: ddp; Sonderermittler zeigt eine Kopie des umstrittenen Stichs

Mixa

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Um Fehler im Umgang mit Stiftungsvermögen einzuräumen, benötigte der Bischof ganze drei Tage. In seiner Erklärung wand er sich außerdem um Fragen der Verantwortung herum - er habe sich nicht im Detail um finanztechnische Fragen gekümmert.

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Der 16. April wird schließlich zum Schicksalstag für den Pannen-Bischof. Zwar versuchte er noch via Bild-Zeitung im Misshandlungsfall eine Flucht nach vorne und sagte im Interview, er könne "die ein oder andere Watschn nicht ausschließen". Doch eine Entschuldigung fehlte - während gleichzeitig der Sonderermittler des Waisenhauses Schrobenhausen nachweisen konnte, dass es unter Mixas Ägide finanzielle Unregelmäßgkeiten gegeben hat.

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In der Folge forderten immer mehr Medien, Politiker und Laienverbände Mixas Rücktritt - der Bischof zeigte sich weiter stur. Noch am 18. April beschwerte er sich über üble Nachrede. Doch als ihm wenige Tage später auch seine Bischofskollegen Robert Zollitsch und Reinhard Marx eine "Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz" nahelegten, war der Rücktritt nicht mehr abzuwenden. Am 22. April reichte er sein Rücktrittsgesuch bei Papst Benedikt XVI. ein.

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Walter Mixa, dpa

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Vor Bekanntwerden der Misshandlungs- und Unterschlagungsvorwürfe legte der promovierte Theologe eine steile Karriere innerhalb der deutschen katholischen Kirche hin: 1996 wurde Walter Mixa von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Eichstätt ernannt. 2005 übernahm er dann ...

Walter Mixa im Jahr 2000, Foto: dpa

Walter Mixa, dpa

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... als geistliches Oberhaupt das Bistum Augsburg. Seitdem war Mixa, der sich intensiv um die Anwerbung von Neupriestern bemühte, immer wieder mit umstrittenen Äußerungen in die Schlagzeilen und die Kritik geraten. Angeblich ...

Amtseinführung des Augsburger Bischofs Walter Mixa 2005, Foto: dpa

Freiburger Erzbischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz , Robert Zollitsch, Kardinal Karl Lehmann (Mainz), Kardinal Georg Sterzinsky (Berlin), Kardinal Joachim Meisner (Köln) und Bischof Walter Mixa (Augsburg)

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... kursiert unter katholischen Priestern sogar der Witz, dass Bischof Mixa (ganz rechts) sein Morgengebet mit den Worten beschließe: "Und schenke mir meine tägliche Schlagzeile, Amen!" Zum Beispiel äußerte sich der Hardliner als einer der ersten Kirchenmänner zu den Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche.

Von links: Robert Zollitsch (Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz), Karl Kardinal Lehmann (Mainz), Georg Kardinal Sterzinsky (Berlin), Joachim Kardinal Meisner (Köln) und Bischof Walter Mixa (Augsburg) Foto: dpa

Walter Mixa, dpa

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Leider jedoch nicht so, wie es sich die Öffentlichkeit erwartet hätte: Statt Worten des Bedauerns gab Bischof Mixa, der religiöse Hardliner, der sexuellen Revolution eine Mitschuld an den Missbrauchsfällen. Im Wortlaut sagte der Kirchenreform-Skeptiker: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig."

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Für einen noch größeren Skandal sorgte Mixa am Politischen Aschermittwoch 2009, als er Abtreibungen mit der Ermordung der Juden unter der Herrschaft der Nationalsozialisten verglich.

Der Holocaust sei ein "schreckliches Verbrechen", sagte er. Aber auch heutzutage würden Verbrechen gegen das Leben begangen: So sei die Zahl der sechs Millionen getöteten Juden "inzwischen durch die Zahl der Abtreibungen überschritten worden".

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Walter Mixa, dpa

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Mit allen Nichtchristen legte sich der Bischof in seiner Osterpredigt 2009 an, in der er einen Zusammenhang zwischen Atheismus und Gewalt herstellte. "Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet", predigte er. "Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden."

Mixa veleugne, dass auch unter dem Deckmantel des Glaubens schreckliche Verbrechen geschehen, so lautete die Kritik.

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Im Jahr zuvor waren die Grünen Ziel seiner Polemik. Als "eine Gefahr für die religiöse Toleranz und den religiösen Frieden in unserem Land" bezeichnete Bischof Mixa Teile der Partei.

Der Anlass war die Forderung der bayerischen Grünen nach einem Verbot aller religiösen Symbole in Schulen. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth keilte zurück und nannte Mixa einen "durchgeknallten katholischen Oberfundi".

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Seit dem Jahr 2000 ist Mixa auch der katholische Militärbischof in der Bundeswehr.

Walter Mixa, dpa

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Kurz zuvor hatte sich der Bischof mit einer anderen Politikerin angelegt. Der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warf er vor, ihre Pläne zum Ausbau der Kinderkrippen seien "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren". Wer Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen".

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Text: sueddeutsche.de/bavo/jobr/jja

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