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Beckstein und Frankenberger im Interview:"Auch bei der CSU wird man nicht mehr für 20 Jahre gewählt."

SZ: Fühlen Sie sich wohl in der außerparlamentarischen Opposition? Oder wollen Sie auch ins Parlament?

Frankenberger: Für mich persönlich ist dafür jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt. Dass man erfolgreiche Politik auch außerhalb des Landtags machen kann, habe ich ja schon bewiesen.

SZ: Aber Sie wollen doch ÖDP-Bundesvorsitzender werden?

Frankenberger: Das ist richtig. Die ÖDP hat großes Potenzial, sie spielt die Rolle eines pragmatischen und zielstrebigen Philosophen in der Politik.

SZ: Ist die Politik ein Geschäft, das Menschen deformiert? Politiker leiden unter Einsamkeit, Alkoholproblemen. Sie müssen anderen misstrauen.

Beckstein: Natürlich gibt es diese Gefahr. Das fängt schon damit an, dass man sich davon abhängig macht, ob man in den Medien präsent ist. Man braucht jemanden, der einem nicht nach dem Munde redet. Für mich war es immer wichtig, dass mich meine Berater auch knallhart kritisierten. Meine wichtigste Kritikerin aber war und ist meine Frau.

Frankenberger: Ich habe Respekt vor jedem Berufspolitiker, da braucht man sich nur deren Terminkalender anzusehen. Deshalb will ich mein Standbein als interaktiver Kostümtheater-Stadtführer und mein ehrenamtliches Engagement als Notfallseelsorger beibehalten. Das tut mir gut, weil es eine andere Welt ist.

Beckstein: Wenn Sie Bundesvorsitzender der ÖDP werden, dann werden Sie keine Zeit mehr für etwas anderes haben. Für einen jungen Menschen ist die Politik ein erhebliches Risiko: Die nächste Wahl ist immer die Kündigungsfrist. Auch bei der CSU wird man nicht mehr für 20 Jahre gewählt. Unter Umständen steht man mit 45 Jahren da und ist aus seinem Beruf draußen. Trotzdem ist Politik unheimlich faszinierend.

SZ: Ihr Rat für Frankenberger?

Beckstein: Er braucht starke Persönlichkeiten in der Nähe, und starke Grundsätze. Ich habe immer versucht, als evangelischer Christ zu leben: Ich weiß, dass ich dem Herrgott verantwortlich und nicht selbst der Allerhöchste bin.

SZ: Wenn Sie 2013 den Landtag verlassen, werden Sie ihm 40 Jahre angehört haben. Wird es solche Lebensläufe künftig noch geben?

Beckstein: Seltener, aber es ist nicht ausgeschlossen. Und es kommt ja auch darauf an, was genau man aus seinem Lebenslauf macht. Ich habe mich in 40 Jahren Landtag immer weiterentwickelt und neue Ämter übernommen. Ich hätte es mir nicht vorstellen können, 40 Jahre lang im Rechtsausschuss zu sitzen.

Frankenberger: 40 Jahre im Parlament, in München, das wäre mir definitiv zu lange. Da will ich noch was anderes.

SZ: Wäre er ein guter Innenminister?

Beckstein: Jemand wie Frankenberger ist durchaus in der Lage, unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand.