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Bayreuther Festspiele:Hermetischer Hügel

Der Hügel gilt als hermetisch, für Heuberger aber war er es nie: Als junge Frau kraxelt sie auf die Beleuchterbrücke, Lohengrin aus 40 Metern Höhe. Sie ist nicht schwindelfrei, "aber das war so faszinierend, ich musste da hoch". Irgendwann wird sie von Wolfgang Wagner entdeckt, sie muss wieder runter. Plätze aber finden sich immer: Im Bühnengang, auf der Orchestertreppe, oft sind die Plätze illegal, werden aber solange geduldet, bis einer der Wagners ein Machtwort spricht.

Bis sie 45 Jahre alt ist, probiert Heuberger so ziemlich alle Orte im Haus aus, danach nur noch die zumindest halboffiziellen Plätze. "Mit 45 ist man doch eine Dame, habe ich mir gesagt." Jetzt ist wieder dieses sehr helle Lachen zu hören.

Herbert von Karajan lernt Heuberger im Optikerladen ihres Vaters kennen. Karajan braucht eine Brille in Bayreuth, sie lässt ihn die Preise aus dem Parfümgeschäft nebenan ablesen. Das gelingt Karajan prächtig mit den neuen Gläsern, er zeigt sich entsprechend dankbar. Mit Otto Klemperer und Hans Knappertsbusch laufen die Geschichten anders, Kontakt aber hält sie auch mit diesen Dirigenten. "Bayreuth war immer ein großes Familienunternehmen", sagt Lilo Heuberger.

Wenn sich die Brüder Wolfgang und Wieland Wagner stritten, und sie stritten sich oft, bekam das am Haus jeder mit, eine Familie eben. Dafür kam man auch in den Genuss sämtlicher Wohltaten des Hausvaters am Hügel. Für Lilo Heuberger ließ Wolfgang Wagner eigens ein kleines Kabäuschen bauen. Als sie kurz vor der Premiere etwas unglücklich in ihrem neuen Häuschen stand - sie konnte kaum über den Ladentisch schauen - kam Wolfgang Wagner vorbei und wies einen Handwerker an: "Zimmer der kler'n Heuberger mal a wäng a Bodesdla, dass mer se a sicht." Mit dem Podest sah man sie dann auch, die kleine Frau Heuberger.

Ihre Lieblingsinszenierung? Der "Tristan" von Wieland Wagner und der "Tristan" von August Everding, "hinreißend". Ob sie die diesjährige Neuinszenierung sehen darf, den Tannhäuser, weiß Lilo Heuberger noch nicht, denn seit 2010 verleiht sie keine Operngläser mehr.

Ganz freiwillig war das nicht: Seit der Grüne Hügel mehr einer Produktionsgesellschaft gleicht als einem Familienunternehmen, haben sich bestimmte Dinge einfach geändert - der abgebaute Stand mit den Operngläsern ist eines davon. Für Lilo Heuberger wäre es tatsächlich die erste Bayreuth-Inszenierung seit 1951, die sie nicht sehen könnte. "Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder", sagt sie.